Das Drama des 1.FC Magdeburg in drei Akten _ 1.Akt - Die Auswärtsfahrt der Willkür

Kritische Nachbetrachtungen zum Spiel beim VfL Bochum

Das Drama des 1.FC Magdeburg in drei Akten _ 1.Akt - Die Auswärtsfahrt der Willkür

04.05.2019von Nicole OtrembaFußball
Das Drama des 1.FC Magdeburg in drei Akten _ 1.Akt - Die Auswärtsfahrt der Willkür

Einen Spielbericht klemmen wir uns heute. Wir müssen uns mal Luft machen. Was wir heute hier beim Auswärtsspiel in Bochum erlebt haben, dass erschüttert uns und macht uns einfach nur sprachlos. 

Eine kritische Nachbetrachtung aus mehreren Sichten, aber einer Person, die alles zusammenbringen muss und noch Zeit braucht, um dies zu verarbeiten.

Auswärtsspiel beim VfL Bochum

Es war sehr früh, als mein Wecker klingelte und ich mein Kind zum Treffpunkt fuhr. Er fuhr mit dem Bus nach Bochum. Ich reiste hinterher. Als Medienteam und Liveticker bin ich immer auf Achse und will den Fans in der Welt berichten, wie es unserem 1. FC Magdeburg ergeht. Die Fahrt nach Bochum war voller Vorfreude. So viele Autos auf der Autobahn. Alle mit Schal und Fahne ausgestattet und einem Lächeln im Gesicht. Hoffnung. Wir packen das. Alle wollten dabei sein, wenn der Club auch gegen Bochum um die nächsten Punkte kämpft und wir den Abstieg irgendwie verhindern könnten.

2.500 Karten waren im Vorverkauf an den Mann, die Frau oder das Kind gebracht worden. Mit mindestens 3.000 Anhängern wurde gerechnet. DREITAUSEND! Ein Wahnsinn. Rechnet man die Auswärtsfans von Sandhausen in einer Saison zusammen, würden sie eventuell auf diese Zahl kommen. Eventuell. Aber ich möchte jetzt Sandhausen nicht schlechtreden ... ich will nur die Relationen darstellen. Die Clubfans sind in ganz Deutschland verteilt und alle kommen sie, um ihren Club spielen zu sehen. So auch heute. Es fuhren zahlreiche PKW`s, Busse und auch ein Sonderzug machte sich auf den Weg. 

Im Stadion angekommen steigerte sich die Vorfreude. Unser Support wird alles in den Schatten stellen. Der komplette Gästebereich würde picke-packe-voll sein. Würde. Wurde er nicht. Ungefähr eine Stunde vor Anpfiff bekamen wir die Info, dass jener Sonderzug im Bahnhof festgehalten wurde. Es wurde angeblich Pyro im Zug gezündet. Da gab es gleich eine Kollektivstrafe und der komplette Zug stand. Einzelkontrollen. Ohne ersichtlichen Grund. Da gab es natürlich Unmut bei den Fans, die ins Stadion wollten. 

Zurück im Stadion sahen wir einen halbleeren Block und Lücken bei den Blockfahnen. Ich war stocksauer über die Willkür der Polizei. Es machte schnell die Runde, dass Block U gar nicht oder ggf total verspätet ins Stadion kommen würde. Was haben wir denen hier in Nordrhein-Westfalen nur getan? Was haben wir für einen Ruf, dass sich hier Hundertschaften der Polizei so mit uns beschäftigen? Wir müssen ja eine ganz große Nummer bei denen sein. Unsere Fans wollen einfach nur ihren Club im Abstiegskampf unterstützen und werden daran gehindert.

Im Stadion stand alles Kopf. Die Mannschaft wusste nicht was los war und auch im Gästeblock selbst stieg plötzlich Zaun-Olli auf den Zaun. Doch anstatt des Supports, solidarisierte man sich mit den Zugfahrern und ging aus dem Block hinaus. Das veranlasste dann die Polizei auch noch mit Wasserwerfern und Pferdestaffeln vorzufahren/reiten. Leute, jetzt bleibt mal auf dem Teppich. WAS soll das denn bitte? Sind Fußballfans per se Schwerverbrecher? Diese laufen zum Teil frei rum ... kümmert euch um die und nicht um ein paar Fußballfans, die einfach ein Spiel sehen wollen. Das ist wirklich krank. 

Kein Support in Halbzeit 1 und dann kurz vor der Pause fiel das Gegentor. Uns war es irgendwie egal. Wir hofften nur, dass es ruhig blieb. Es waren auch Familien im Block. Ja, liebe Polizei. Es gibt auch Familien, die dem FCM hinterherreisen. Nicht nur, wie in euren Augen, gewaltbereite Fußballfans. Das Spiel wurde zur Nebensache. Die Spieler taten mir leid. Mein Gedanke war auch bei meinem Kind, der im Gästeblock stand. Ich hatte keinen Zugriff. War er draußen, war er im Stadion? 

25 Minuten vor Ende waren sie da. Unsere Fans hatten es geschafft. Und machten Alarm. Das hätte das Team schon viel früher wach gemacht. Aber nein. Klar war mir, dass man uns nicht in dieser Liga haben will. Man will den "bösen Osten" nicht in der heilen Fußballwelt 2. Liga haben. Wo man wöchentlich ein Fussballfest mit Klatschpappen feiern möchte. Für Familien. Alles schick. Mit Schleifchen drum. Man will keinen bedingungslosen Support ohne Wenn und Aber. Dem Herzblut und dem, wie manchen sagen, Hass zwischen den Vereinen. Rivalität ist aber auch manchmal ganz nett. Man kann sich auch auf Augenhöhe und normal begegnen. Aber das geht in manchen Köpfen nicht rein.

Somit haben hunderte Polizisten wieder Überstunden gemacht. Von unseren Steuergeldern. Und für was? Damit man einige Fussballfans filzt und einsperrt? Krankes System. Die Welt wird von Attentaten nur so überschwemmt. Kriminalitäten nehmen stark zu. Außerhalb des Stadions. Wo sind sie da? Im Stadion. Bei uns. Ist ja auch viel wichtiger. Ich wusste nicht, dass wir der Nabel der Welt sind. Wir fühlen uns so und wollen es gerne sein, aber seien wir ehrlich ... wir sind "nur" der 1.FC Magdeburg. Ein Verein aus Mitteldeutschland. Sehen andere scheinbar nicht so. Jedenfalls nicht die Polizei hier in Nordrhein-Westfalen.

Unsere Fans sangen weit bis nach Abpfiff. Holten die Spieler ran, die völlig platt und enttäuscht auf dem Rasen standen. Anstatt eines Pfeifkonzerts empfing sie allerdings Applaus. Das Ergebnis war egal. Das Stadion leerte sich schnell. Nur nicht der Gästeblock. Der war gefüllt. Als dann auch die Spieler im Tunnel waren und ein/zwei LIeder noch angestimmt wurden, gingen sie auch. Natürlich wurden alle gefilmt. Wo doch schon mal alle Polizisten da waren .... (Ironie aus).

Neben diesen Vorkommnissen machte sich aber noch ein anderer Unmut breit. Die Theatralik auf dem Spielfeld vom Gegner während der 94 MInuten ging mir ziemlich auf den Keks. Dieses offensichtliche Herausholen von Freistößen ist mir schon seit Beginn der Saison negativ aufgefallen. Im Theater nennt man dies "darstellende Künste". So kommt mir das auch des Öfteren vor. Wir ackern und bekommen gefühlt nur jeden fünften Freistoß zugesprochen, hat es der Gegner scheinbar raus, mit Theatralik und Schauspielerei hier einen Vorteil herauszuholen. Es nervt einfach nur noch. Dazu die Schiedsrichter, die das auch noch unterstützen. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, es sei gesteuert..... (nochmal Ironie aus)

Ich will zum richtigen Fussball zurück. Ja, es wird die 3. LIga sein. Gegen Union und Köln geht es nur noch darum, sich so gut wie möglich zu verkaufen, bzw zu verabschieden. Im Hintergrund wird nun fleissig gearbeitet und der Blick auf die 3. Liga geworfen. Wo wird die Reise für uns hingehen? Der Abstieg wird jedenfalls kein Grund sein, unseren 1. FC Magdeburg nicht mehr zu unterstützen. Es geht immer vorwärts und am nächsten Morgen geht die Sonne auf.

Das Drama des 1. FC Magdeburg in drei Akten ... 1. Akt ... "Die Auswärtsfahrt der Willkür"

Ich bin einfach nur stinksauer, aber unheimlich stolz auf die Anhänger des 1.FC Magdeburg!

In diesem Sinne! Dat Lebbe geht weiter!