Das Drama des 1.FC Magdeburg in drei Akten _ 2.Akt - Der Abstieg ist ein Neuanfang

Nach dem Abstieg ist vor dem Neuanfang - Wiedersehen macht Freude

Das Drama des 1.FC Magdeburg in drei Akten _ 2.Akt - Der Abstieg ist ein Neuanfang

12.05.2019von Nicole OtrembaFußball
Das Drama des 1.FC Magdeburg in drei Akten _ 2.Akt - Der Abstieg ist ein Neuanfang

Adios 2. Bundesliga ... wir werden uns so bald nicht wiedersehen. 

Das heutige Auswärtsspiel bei Union Berlin war eine Reise in die Vergangenheit. Die Erinnerungen von 2014 kamen wieder hoch. Alles war plötzlich präsent. Die Rivalität zwischen den Berliner Vereinen, dem BFC Dynamo und Union Berlin fand erneut eine Bühne. Mittendrin, wir ... der 1. FC Magdeburg bei unserem letzten Auswärtsspiel in dieser Spielzeit. In der 2. Bundesliga. Es war ein kurzes Vergnügen für unseren großen 1. FC Magdeburg. Finanziell hat es uns Stabilität gebracht, sportlich haben wir nach einigen erfolgreichen Jahren erstmal das Ende erreicht und gehen einen Schritt zurück. 

Manchmal ist das Ende auch ein guter Neuanfang.

Mit einer Minimalchance trat der Club bei Union Berlin an, um das Unmögliche möglich zu machen. Zaubern können die Wenigsten und Ingolstadt, als unser "Konkurrent" machte es selbst klar. Somit war unser Spiel zur Nebensache geworden. Da lagen wir allerdings auch schon mit 0:2 hinten. Unser Gästeblock gab dennoch alles. Von Trauer keine Spur. Immer wieder kamen die Worte in den Kopf "Ob du gewinnst oder nicht, niemand lässt dich im Stich, unser Glaube, kennt keine LIga, FCM wir lieben dich". Diesen Rückhalt der Fans bei einem Abstieg haben wohl die Wenigsten Vereine vorzuweisen. Bedingungsloser Rückhalt. Bedingungslose Liebe zum Verein. Wir haben schon so viel erlebt und können auch diesen Rückschlag verkraften. 

Was uns etwas besänftigt ist die stabile finanzielle Lage, in der sich unser Club befindet. Mario Kallnik hat schon vor einigen Spieltagen bekräftigt, dass wir uns deswegen in der 3. LIga keine Sorgen machen müssten. Also müssen wir es sportlich hinbekommen. Die Mannschaft wird sich verändern. Ein anderes Gesicht bekommen. Auch einen anderen Trainer? 

Wir haben eines in der 2. Liga gelernt. Die Worte "So what" haben eine unglaubliche Bedeutung erhalten. Spieler kommen, Spieler gehen ... die 2. LIga ist für viele eine Durchlaufstation. Spieler, die bei einem Verein spielen, spielen in der nächsten Saison woanders. Das Geld ruft, das Geld winkt und der Spieler zieht von dannen. Vereinstreue? Sehr selten anzufinden. Das war mal anders. Wir wollen nicht der "alten Zeit" hinterhertrauern, aber irgendwie passte das besser zu uns. Spieler, die auf dem Platz zeigten wo sie hingehören. Die es abseits des Platzes auch nach außen trugen. Die sich zerrissen und dem Club den Vorrang gaben, vor anderen Angeboten und dem Wissen doch nur auf der Auswechselbank zu landen. Dann doch lieber spielen, spielen, spielen. Vor dem Publikum. Mit diesem Support. Mit diesem Rückhalt.

Wir kommen wieder. Keine Frage. Es wird nur dauern. Der Abstieg ist ein Neuanfang. Wir werden wieder Strukturen in das Team bekommen. Wir werden junge Spieler sehen, die alles geben und sich von unseren Fans anstecken lassen. Das Herz wird schnell blau-weiß schlagen und sie werden alles geben. 

Wenn wir wiederkommen, dann auch stärker als zuvor. Das Abenteuer 2. Liga hat uns vieles gelehrt. Sportlich und auch abseits des Platzes. Dann sind wir besser vorbereitet. In allen Ebenen. 

Doch nun geht es erstmal in ein neues Abenteuer angesagt. Und dieses Abenteuer beinhaltet Braunschweig, Mannheim, München, Kaiserslautern, Rostock, Zwickau, Münster und vielleicht auch noch Cottbus und Jena. Endlich mal wieder ein voller Gästeblock. Endlich mal wieder Stimmung in der Bude. Aber auch unsere Heimspiele werden wieder gut besucht werden. Andere Vereine würden Zuschauerschwund beklagen. Die Aussicht auf viele Ostduelle bringt bei uns den ein- oder anderen Fan wieder ins Stadion. Klar können wir uns das Schönreden, aber war es wirklich ein Fussballfest, als die handgezählten Gästefans aus Sandhausen, Heidenheim und Ingolstadt in den "dunklen" Osten fuhren? Volles Haus und Stimmung aus beiden Blöcken, wo der 1. FC Magdeburg als Sieger hervorgeht ... das ist Fussball ... das macht Spaß. 

Ein Rückblick auf die Liga zeigte uns auch, dass wir nicht erwünscht waren. "Assoziale Ossis" war uns so oft um die Ohren geflogen, dass wir uns gefragt haben, ob die Wende erst gestern war oder leben wir doch schon knapp 30 Jahre in einem Land?! Klar geht es beidseitig auf den Rängen mit einigen Sprüchen hin- und her, aber abseits des Platzes waren wir teilweise schon erschüttert. 

Wir sind nicht erwünscht ... und ganz ehrlich ... wir haben vorerst auch keinen Bock mehr darauf. 

Der Blick ist nach vorne gerichtet. Wir sind positiv gestimmt. Es wird schon wieder werden. Der 1. FC Magdeburg wird sich nicht aufgeben und wir werden weiterleben. Wir lieben unseren Verein und halten ihm die Treue. Egal welche Liga. 

Lasst uns das letzte Spiel einfach rocken und uns ordentlich aus dieser Liga verabschieden.

So what ... Einmal-Immer!