Die -EIN Punkt ist besser als KEIN Punkt- Floskel - PART TWO

... oder Ich erwartete nichts, aber hoffte viel.

Die -EIN Punkt ist besser als KEIN Punkt- Floskel - PART TWO

20.06.2020von Nicole OtrembaFußball
Die -EIN Punkt ist besser als KEIN Punkt- Floskel - PART TWO

Vor dem Spiel habe ich bei jeder Frage nach meinem Tipp Folgendes geantwortet: "Ich erwarte nichts, aber hoffe viel".

Genau so bin ich in das Spiel gegangen. Wer die Reserve von Bayern in den letzten Spielen gesehen hat, der konnte es gut einschätzen, dass dies ein ganz schweres Spiel werden würde. Schnelle Pässe, viel technische Qualität und gut eingespielt. Das schwere Spiel wurde es. 

Wie wir erwartet hatten, hatte der Trainer auch das Vertrauen in die jungen und schnellen Spieler. Er ließ die erfahrenen Stürmer um Christian Beck und Sören Bertram erstmal draußen. Das war auch eine gute Wahl. Obwohl einige Reservisten in die erste Mannschaft der Bayern hochgezogen wurden, waren dennoch ein starker Kwasi Okyere Wriedt und Malik Tillman dabei, der gerade in den letzten Spielen so richtig in Fahrt kam. Was man von vornherein sagen musste ist, dass wenn der Wriedt läuft, dann ist dieser schwer zu stoppen. Schon von Beginn an hatte unsere Abwehr hier richtig zu tun und musste schnell nach hinten und stemmte sich mit Mann und Körper gegen diesen schnellen Läufer.

In der ersten Halbzeit sahen wir ein Spiel, in dem die Abwehr der Gäste doch sehr anfällig wirkte. Unsere Außenbahnen um Sirlord Conteh und Marcel Costly hatten viel Raum. Auch Leon Bell Bell hatte oft eine Seite für sich, bekam den Ball quer über das Feld gespielt, stand blank und konnte so den Angriff eröffnen. Einzig das Tor fehlte, mal wieder. In der 22. Minute gab es dann einen überraschenden Handelfmeter. Der Ball klatschte laut und hörbar an den Arm von Wriedt und der Schiedsrichter Renè Rohde zeigte auf den Punkt. Jürgen Gjasula nahm sich den Ball wie selbstverständlich und verwandelte eiskalt zur 1:0 Führung (22.). Wir rieben uns die Augen und von den Schultern der Spieler purzelten einige Felsbrocken. Sie spielten noch lockerer auf. Dennoch hatten sie hinten weiterhin mächtig zu tun. Bayern steckte nicht zurück, ging immer wieder schnell und frech über die Außen und suchte ihren Stürmer Wriedt. 

Kurz vor der Halbzeit wäre fast der Ausgleich gefallen, doch ein Konter brachte Daniel Steininger in Position. Fast verstolperte er es, doch er hobt den Ball über den Torwart Hoffmann ins Netz. 2:0 Führung nach 43 Minuten und es hätte schon viel höher stehen können, denn auch Sirlord Conteh kam in der ersten Halbzeit zu sehr guten, sehenswerten Chancen. Er stand völlig frei vor dem Torhüter und vergab mehrmals kläglich. Das Gefühl von diesem "Das wird sich noch rächen" machte sich bereits in uns breit.

In der Halbzeit war noch alles schick. Doch mit dem Abpfiff ging der Gästetrainer Sebastian Hoeneß schnurstracks zum Schiedsrichtergespann und folgte ihnen bis in die Kabine. Dabei redete er natürlich ohne Unterlass. Das Ergebnis sahen wir in Hälfte Zwei. Da wurden Trikotzupfer und Foulspiele beim Konter für uns nicht gepfiffen und Kontermöglichkeiten der Gäste waren die Folge. Die Bayern drückten unaufhörlich. Der glücklose Sirlord Conteh vergab weiterhin und wurde nach 56 Minuten durch Sören Bertram angelöst. Conteh hätte wirklich vorher den Sack zumachen können, doch ihm versagten weitere Male die Nerven ... allein vor dem Torwart. Die Tribünen und Clubanhänger wurden allerdings ungeduldig. Wir gaben Szenenapplaus und feuerten die Jungs an, wurden aber auch laut, als wir sahen, dass wir Chancen (wir hatten endlich mal schöne Chancen) so leichtfertig vergaben.

Wir standen hinten und bolzten alles raus was kam. Doch am Ende stellte der Trainer die Taktik um und nahm die A-Jugendlichen Theo Ogbidi und Julian Weigel rein. Der Matchwinner aus Halle war leider der Pechvogel, der in der 85. MInute den entscheidenden Elfmeter für die Gäste verursachte. Kwasi Wriedt macht den Anschlußtreffer (86.) und nun war für die Bayern die Chance gekommen. Und wir konnten es nicht bis über die Ziellinie retten. Die Bälle folgen nur so in Richtung Morten Behrens. Doch nach einer Ecke, in der Nachspielzeit, war die Stimmung am Boden. Timo Kern glich zum 2:2 aus. Und ganz ehrlich? Wäre das Spiel noch länger gelaufen, dann hätten wir es noch verloren. Unsere Jungs waren platt. Das Spiel kostete unheimlich Kraft. So wie uns auf der Tribüne.

Was für ein gutes Spiel es doch von uns war. In der Offensive und Defensive. Wir waren seit langem endlich mal wieder schnell auf den Außenbahnen, spielten nicht ständig quer, sondern suchten immer den Abschluß. Die schnellen Läufer konnten punkten. Marcel Costly rannte und schlug Flanken, Mario Kvesic verteilte die Bälle und brachte wunderbar scharfe Bälle von der Eckfahne aufs Feld ... aber beide gingen vor Abpfiff der Partie vom Platz und die Ordnung war dahin. 

Bleibe ich bei meinem Tipp "Ich erwarte nichts und hoffe viel", dann bin ich über den Punkt mehr als glücklich. Nach dem Spielverlauf ist es aber doch ärgerlich, dass wir zwei wichtige Punkte haben liegengelassen. Die Emotionen fuhren mal wieder Achterbahn. Alle blau-weißen Anhänger brüllten und auch ich habe meine Stimme im Stadion gelassen. Woran ich mich aber nicht gewöhnen werde ist, dass diese auch gehört wird. Es hallt und geht direkt aufs Feld. So werden unsere Anfeuerungsrufe doch zu einer Motivation für die Spieler. Immer und immer wieder munterten wir Sirlord Conteh auf, dass er den Kopf oben behalten soll. Doch das Glück war nicht auf seiner Seite. Doch das Selbstbewusstsein kommt scheinbar langsam zurück.

Liebe Spieler: Glaubt einfach alle an euch. Glaubt an den Club. Glaubt an den Erfolg. Und denkt einfach an die vielen blau-weiß verrückten Fans da draußen, die euch in der kommenden Saison gern wiedr in der 3. Liga begleiten möchten. Nach München. Nicht nach Meuselwitz. Also macht weiter und gebt alles. Ein Spiel dauert 90 Minuten + x ... und in Unterhaching habt ihr die nächste Chance.

Neues Spiel. Neuer Kampf. Neues Glück. Alle gemeinsam für den Klassenerhalt.

Einmal-Immer.