Die Hoffnung lebt und stirbt immer zuletzt - FCM, wir GLAUBEN an dich

Nachbetrachtungen zum Heimsieg gegen die SpVgg Greuther Fürth am 31. Spieltag

Die Hoffnung lebt und stirbt immer zuletzt - FCM, wir GLAUBEN an dich

27.04.2019von Nicole OtrembaFußball
Die Hoffnung lebt und stirbt immer zuletzt - FCM, wir GLAUBEN an dich

Die Hoffnung lebt und stirbt immer zuletzt ...

... wie oft habe ich diese Worte in den letzten Tagen vernommen. Ich, als eigentlich dauerhaft positiv denkender Mensch und Fan des 1. FC Magdeburg, war nach der Partie gegen Jahn Regensburg ganz schwer angeschlagen. Hoffnung? Gab es bei mir irgendwie nicht mehr. Auch das Training, welches ich vorher noch am Nachmittag besuchte, baute mich nicht auf. Es wurden Standards geübt. Ecken. Freistöße. Verschiedene Möglichkeiten durchstudiert. Und dazwischen immer wieder Passspiel auf engstem Raum. Nachdem dann am gestrigen Abend auch noch Dresden in Ingolstadt nicht für uns spielte, machte ich mich noch intensiver mit den Clubs der 3. Liga vertraut. Die Hoffnung schwand in meinem Innersten. 

Bisher waren die Ecken und Freistöße von uns immer sehr ungefährlich. Auch wenn wir mal 12 Ecken hatten, eine 100%ige Torchance hatten wir daraus sehr, sehr, sehr, sehr selten generiert. Von daher dachten sich wahrscheinlich schon viele Gegner "Ach, lassen wir denen die Ecke. Besser als alles Andere". Solche Gedanken schwirrten mir schon im Kopf herum. Tja - und nach dem gestrigen Abend und dem Abrutschen auf den direkten Abstiegsplatz war die Nacht irgendwie ewig lang. Die Hoffnung verzog sich immer mehr. 

Dann der Samstag und alle um mich herum versuchten mich aufzumuntern. "Tickere uns zum Sieg" oder "Tickere uns 3 Punkte" waren ein paar Aufmunterungsversuche. Die Fahrt mit dem Rad zum Stadion und der Sonnenschein erhellten mein Gemüt dann doch. Viele blau-weiße Freunde machten sich auf ins Stadion und freuten sich darauf. Ja. Sie freuten sich darauf. Erzählten mit ihren Freunden und Bekannten. Tranken etwas und aßen die obligatorische Bratwurst vor dem Stadion. Es war eine gute Stimmung. Irgendwie keine Abschiedsstimmung. Auch meine Begleitung mit Rad war gut drauf. Zu gut drauf, fand ich, aber ich fand es schön. Also ließ ich mich dann anstecken und wartete auf die Aufstellung im Presseraum. 

Die kam dann auch und zeigte, dass wir auf beide "Stammtorhüter" Brunst und Loria verzichten mussten. Mario Seidel kam zu seinem Einsatz. Aber auch Jan Kirchhoff war immer noch nicht bei 100 Prozent und wurde durch Nico Hammann ersetzt. Was mich sonst etwas fraglich stimmen würde, kommentierten wir im Team mit den Worten "Was soll`s. Jetzt erst recht". Jeder in diesem Team kann Fußball spielen. Von daher kann auch Mario Seidel seine Qualitäten unter Beweis stellen. Und die hat er ohnehin. 

Im Stadion füllten sich die Ränge. Es war schön gefüllt beim vorletzten Heimspiel in dieser Saison. Sogar knapp 800 Gästefans reisten nach Magdeburg. Waren ja auch noch nicht hier und wollten unseren Heimsupport erleben. Leider nur von der Seite, da sich das Stadion ja im Umbau befindet. Ansonsten hätten sie bestimmt auch gern gefilmt. Naja ... vielleicht im nächsten Jahr? Oh, was dachte ich mir da? Im nächsten Jahr? Das klang ja ganz nach einem Hoffnungsschimmer und dem Verbleib. Mit diesem positiven Gedanken begann ich meine Arbeit am Ticker.

Meine Finger flogen über die Tastatur. Ich brummelte, ich fluchte, ich fieberte eifrig mit. Die ersten Minuten gingen klar auf unser Konto. Das machte Spass zuzuschauen. Die Spieler wollten. Auch der verletzte Philip Türpitz und Christopher Handke, die vor uns Platz genommen hatten, schauten ganz gespannt auf das Spielfeld. Doch dann das Gegentor in Minute Elf. Völlig aus dem Nichts. Die Köpfe hingen. Doch Block U setzte dann an " Denket daran - wir stehn hinter euch als 12. Mann - auf dem Wege zum Sieg - nur für euch dieses Lied". Es scheppert ordentlich. Stimmlich gemeint. Von den Rängen gaben sie alles und das spürten die Spieler auch auf dem Platz. Kapitän Christian Beck ackerte und dann konnte er sich belohnen. Fünf Minuten später bekam er den Ball und ging direkt auf den Torhüter Sascha Burchert zu. Er zögerte und zog ab. Der Ball ging zwischen dem linken Torpfosten und dem Torwart ins Netz. Das Stadion stand Kopf. Das war die richtige Antwort. Das sollte allerdings nicht alles sein. Plötzlich spielten sie wieder besser. Der Körper gestrafft, spürte man, dass hier mehr drin ist.

Die Spannung stieg. Dann rauschte der Ball von Fabian Reese auch noch ans Außennetz und wir atmeten schwer. Der Schiedsrichter hatte an der aufkommenden Unruhe auf dem Platz und auf den Rängen auch seinen Anteil. Immer wieder kam von den Rängen "Kämpfe FCM, Kämpfe FCM". Nach einer halben Stunde war dann Schluß für den ehemaligen Magdeburger Spieler Sebastian Ernst, der nun seit Längerem schon das Trikot von Fürth trägt. Verletzungsbedingt musste er nach 30 MInuten den Platz verlassen. Das tat dem Spiel für uns aber gut. Ernst, der immer am Ball war und technisch gut ausgebildet ist, machte uns schon in den ersten Minuten das Leben etwas schwerer. Nun lief das Spiel dann besser für uns, doch die Pfiffe des Unparteiischen hinterließen bei uns einige Fragezeichen im Gesicht. 

Kurz vor der Pause, als bereits viele schon das Bier holten und sich am Bratwurststand die Beine in den Bauch standen, jubelte der Rest der Magdeburger Anhänger erneut. In der Nachspielzeit legte Felix Lohkemper nach, nachdem der Gegenspieler den Ball vertändelte und er Nutznießer war und den Ball ins kurze Eck schob. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Meine Laune stieg und meine Hoffnung kehrte mit einem Mal zurück.

Immer wieder schaute ich nach "Sandhausen", die gegen Kiel vorne lagen. Das trübte etwas die Freude. Konnten denn wenigstens die Kieler nicht mal für uns spielen? Aber nein. Wir mussten nur auf uns schauen. In der zweiten Halbzeit spielten wir plötzlich weiter befreit auf. Wir belagerten das Tor der Fürther förmlich. Was war denn passiert? In Regensburg konnten wir keine richtige Torchance herausspielen und hier zimmerten wir den Ball im Minutentakt nach vorne. "Ein weiteres Tor würde uns gut tun" - Oh ja ... ein weiteres Tor für das Herz und die Aufgeregtheit. Fürth fand bis zur 80. Minute gar nicht statt. Über wen sich das Stadion am meisten aufregte, war leider der Unparteiische. Ob nicht gegebener Elfmeter oder nicht geahndete Foulspiele. Das Stadion wußte gegen wen sie waren und wem sie die Daumen drückte. Die Uhr tickte. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Ich brüllte und hielt immer wieder den Atem an. Ich gestikulierte in der Zeit, wo ich mal für Sekunden die Tasten in Ruhe ließ und diese mir dies dankten. 

Dann die Nachspielzeit. Nach der 80. Minute belagerte Fürth plötzlich unser Tor. Und die Angst kam zurück. Wie oft hatten wir schon so viele Punkte vergeben. Wie oft litten wir nach Abpfiff und trauerten unseren Punkten nach. Aber irgendwie schafften wir es. Fürth kam nicht zum Ausgleich und wir hatten den zweiten Heimsieg in der Tasche. Drei Punkte. Relegationsplatz. Sandhausen gewann gegen Kiel und enteilte. Wir sanken in den Sitz und atmeten erstmal tief ein- und aus. 

Ein Heimsieg. So fühlt es sich also an. So tickerte es sich. Ich hatte es doch fast vergessen. Es war schön. Ich will mehr davon.

Die Hoffnung lebt und stirbt immer zuletzt - FCM wir GLAUBEN an dich!

Auch meine Hoffnung ist zum Teil zurückgekehrt. Ich bin halt doch ein positiv denkender Mensch. Von daher geniesse ich jetzt die Zeit nach dem Heimsieg und grinse mit allen anderen Clubfans um die Wette.

Bochum? Ich bin dabei!

Bis dahin und Sport Frei!