Dieser Moment, dieser Tag, an dem ...

Gedanken zwischen Aufstiegseuphorie und Ligaendspurt in der Saison 2017/2018

Dieser Moment, dieser Tag, an dem ...

28.04.2018von Nicole OtrembaFußball
Dieser Moment, dieser Tag, an dem ...

Dieser Moment, dieser Tag, an dem ...

... der Schiedsrichter in der 93. Minute das Spiel abpfeift.

... die Fanmassen den Rasen stürmen.

... Tränen der Freude nicht mehr zurückgehalten werden.

... sich Fans in den Armen liegen und ihrem Traum nahe sind.

Dieser Moment, dieser Tag, an dem der 1.FC Magdeburg in die 2. Liga aufgestiegen ist. 

Jeder hat seinen eigenen Moment, dieses Erlebnis und die letzten Minuten des Punktspiels gegen Fortuna Köln anders erlebt. Schiedsrichter Ittrich pfiff schnell ab, als plötzlich die Fanmassen den Rasen stürmten. Die Spieler von Fortuna Köln bahnten sich ihren Weg in die Kabine. Durch glückliche Menschenmassen, die für sie selbst keinen Blick übrig hatten. Auf dem Rasen begann die Party. Spieler und Betreuer wurden in Aufstiegsshirts gehüllt. Alkohol floss in Strömen, der Umsatz der Bierwagen schnellte nach oben und alle verloren sich in ihren Traum.

Wir, das Team von Sportfotos Magdeburg, erlebten den Moment getrennt voneinander. Björn und Norman "Gabi" klickten was das Zeug hielt und füllten ihre Speicherkarten. Glückwünsche erreichten auch sie von überall. Zwischen Bildern wurde abgeklatscht und Schulterklopfer entgegengenommen. Sie machten weiter und fingen weitere Momente des Siegesrausches ein.

Christian und ich, die euch während des Spiels den Liveticker befüllen, verweilten Minutenlang auf unseren Plätzen im Oberrang des Stadions und schauten von oben auf die Menge herab. Nachdem wir uns beglückwünschten, aber dennoch ungläubig anschauten "Echt? Haben wir es geschafft?", verharrten wir einfach und sogen die Stimmung auf. Wir brauchten nicht Reden. Das taten die Spieler und die Menge. 

Die Tränen liefen einfach so

Meine letzten Sekunden beim Schreiben des Livetickers waren von einem Tränenfilm durchzogen. Die Tränen tropften auf die Tastatur und verschwommen tanzten die Buchstaben vor meinen Augen. Es waren Tränen der Freude, der Erleichterung und des Mitfreuens, da man selbst in glückliche Gesichter schaute. Nach Abpfiff musste ich mich sammeln, sass (gefühlt) minutenlang regungslos vor dem aufgeklappten Laptop und schaute auf den Rasen herab. Dieser Rasen, der Siege und Niederlagen einherbrachte. Wo Schlachten geschlagen wurden. Wo es DFB Pokalsensationen und vermeidbare Niederlagen gab.

Es zog ein Film vor meinem geistigen Auge vorbei. Plötzlich sah ich die Pfeile auf den leeren Rängen. "Wir zeigen dir wo das Tor steht". Ich sah mich im leeren Stadion mit 2.100 Zuschauern gegen den FC Oberneuland sitzen. Der Stadionsprecher kämpfte mit den Namen der Gastspieler und mein Kind selbst (damals noch nicht mal 4 Jahre alt) schlief bei einem wirklich "grottigen" Kick ein. Er hatte damals alles richtig gemacht. Es hat ihm die Leidenschaft für den Club nicht genommen. Er hatte eine kurze "Leidenszeit". Nun steht er in Block U und darf nach dem Aufstieg in die Dritte Liga nun auch den Aufstieg in die Zweite Liga feiern. Ich fuhr Jahrelang über Dörfer und lernte Orte kennen, die ich eigentlich nie kennenlernen wollte.

Dann erinnerte ich mich an das Relegationshinspiel gegen Offenbach. Der Druck. Die Fahrt nach Frankfurt. Der Druck stieg. Die Nacht vor dem Spiel, wo auch wir kaum ein Auge zubekamen. Der Gang zum Stadion. Hermetisch abgeriegelt über Waldwege bahnten wir uns mit Fotokoffer und Ausrüstung den Weg zum Stadion. Dann der Sieg und diese Unwirklichkeit. Damals weinte eine Angestellte von Kickers Offenbach und ihr kleiner Sohn stand vor ihr und fragte "Mama, warum weinst du?" Freud und Leid lagen so nah beieinander. 

Nun saß ich vor dem Rechner, las meinen Abschiedseintrag, der euch draußen schon vor (gefühlt) ewigen Zeiten erreichte und war ALLEIN mit mir und der Welt. Irgendwann stand ich auf dem Balkon und schaute einfach nur in die Menge hinab. Glückwünsche erreichten mich aus der Menge. Christian und ich aber standen einfach nur da. Zusammen und dennoch allein, da jeder seinen Gedanken nachging. 

Der Film im Kopf wich einer nicht zu beschreibenden Leere und ich fragte mich immer wieder. "War es das wirklich?" Der Club hatte bisher immer bis zum letzten Spieltag gebraucht, um eine Entscheidung dingfest zu machen. Egal ob positiv (Offenbach) oder negativ (St.Pauli/Osnabrück). Nun haben wir noch drei Spieltage vor uns und können für die 2. Liga planen.

Wir verpassten die (eigentlich überflüssige) Pressekonferenz, wo Trainer Jens Härtel mit Bier übergossen wurde. Wir fuhren auch nicht zum Hasselbachplatz und feierten mit der Mannschaft und den Fans. Wir fuhren zu oder mit unseren Familien nach Hause. Wir brauchten die Zeit für uns.

Wenn aus einer nicht zu Hoffen geglaubten Vision nun Wirklichkeit wird ... 

.. da wissen auch wir nicht, wie es weitergeht. Sportlich haben wir etwas erreicht, wo wir seit langem hingehören. Doch im Hintergrund wird sich eine Menge ändern. Je professioneller die Liga, umso professioneller das Umfeld. Wir freuen uns auf das was kommt, aber realisiert haben wir es noch nicht.

Spieltag EINS nach dem Aufstieg

Es geht weiter. Doch prompt steht ein Spiel an, welches in den letzten Jahren an Brisanz stark abgenommen hat. Nur wenige Fans begleiten das Team in den Süden von Sachsen-Anhalt. Ein Spiel verkommt zu einem Testspiel. Die Trainer und die Spieler betonen, dass sie noch Meister der Dritten Liga werden wollen. Schwer ist es den Fokus so hoch zu halten. Und so wissen wir nicht, was uns die kommenden drei Spiele, die letzten in der dritten Liga, erwartet.

Ich weiß nur EINES. Für mich wird dieses Spiel ein Besonderes sein. Ich werde mir den Erdgas Sportpark noch einmal von innen anschauen und mit dem Wissen, dass ich hier nächste Saison defintiv nicht herkomme. Mit einem Lächeln werde ich diesen dann auch verlassen. Es gibt nun andere Stadien ich bereisen möchte und auch hoffentlich werde.

Gedanklich sind wir zwischen zwei verschiedenen Welten. Mit diesem Text wollten auch wir mal unsere Seite zeigen, da wir trotz Fan, doch Spieltag für Spieltag einer Arbeit nachgehen, die wir lieben. Nicht im Fanpulk drin, aber mit dem Herzen immer dabei.

EINMAL-IMMER!

Euer Team von Sportfotos MD, bestehend aus Björn, Norman "Gabi", Christian und eurer Nicole