Ein Bayernkrimi aus Unterhaching

... oder die Leiden der Fans aus M an der E

Ein Bayernkrimi aus Unterhaching

24.06.2020von Nicole OtrembaFußball
Ein Bayernkrimi aus Unterhaching

Spannender kann so ein Saisonfinale gar nicht sein. Für den Außenstehenden ist dies spannend. Für uns Betroffene ist es einfach nur furchtbar. Jedes Spiel ist ein Endspiel. Das Leiden der Clubfans geht weiter. In die nächste Runde.

Die englischen Coronawochen gehen in die nächste Runde. Das weiteste Auswärtsspiel stand auf dem Programm. Vielen Clubfans wurde die 6-stündige Anreise erspart. Wer das Spiel im TV verfolgen konnte, der brauchte aber nicht nur ein Wasser vor sich. 

Wir kamen absolut gar nicht gut ins Spiel. Die Spielvereinigung Unterhaching nahm den Ball und ging über Maximilian Krauß immer wieder über die rechte Seite nach vorne. Zudem spielten sich die Hausherren durch unsere Abwehr, als wenn sie im Training die Slalomstangen vor sich hätten. Nach 10 Minuten wollten wir den "Reset-Knopf" drücken. Alles auf Anfang bitte, da sprang Charles-Elie Laprevotte mit einem Kung-Fu-Sprung in den Gegner. Der Schiedsrichter Hanslbauer zog in der 13. Minute sofort die rote Karte aus der Hosentasche.

"Zurückspulen .... zurückspulen ... alles auf Anfang bitte" rauschte es da weiterhin in meinem Kopf. Doch dann kamen die Bilder aus Braunschweig vor meinem inneren Auge zum Vorschein. Unterzahl, ein bärenstarker Morten Behrens und ein Unentschieden mit viel Mentalität und Willen. Es sollte sich wiederholen, doch daran glaubte (ehrlich gesagt) wohl keiner nach 13 Minuten. Zuerst stand die Ordnung auf dem Programm. Die hatten wir in den ersten Minuten noch nicht gefunden. Die komplette Mannschaft zog sich nach hinten, stellte sich vor Behrens und drosch die Bälle nur so raus. Doch wenn es mal eine Chance für uns gab, dann wurden wir gefährlich, doch in diesem Spiel war es Daniel Steininger, der überhaupt nicht in dieses hinein fand. Wir rutschten an den Bällen vorbei, rannten zurück und mauerten. Doch wir verloren zur Halbzeit noch Tobias Müller, der verletzungsbedingt mit Verdacht auf Gehirnerschütterung, in der Kabine blieb. Gesundheit geht vor, doch die Knochen bekamen in dieser Partie viel ab. 

Die Kräfte schwanden, die Unterhachinger belagerten unser Tor, doch Morten Behrens hielt uns weiter im Spiel. Obwohl wir mit einem Unentschieden in die Pause gingen, wusste jeder, dass dieses Spiel noch in alle Richtungen ausgehen konnte. Ein Unentschieden wäre da noch ein glücklicher Punkt. Kapitän Christian Beck und Brian Koglin kamen für die zweite Halbzeit rein. Der glücklose Steininger und eben Müller blieben draußen. 

Dann hieß es nur noch "Bangen". Jeder Angriff auf unser Tor wurde mit Mann und Maus verteidigt. Wir rutschten nicht mehr, wir schlugen entweder die Pille hoch in den bayrischen Abendhimmel oder eben unser Torhüter Morten Behrens war zur Stelle. Was er für Bälle abgewehrt hat, dass kann man gar nicht beschreiben. Man hörte es nur. Schuß - Klatsch - Schuß - Klatsch - Schuß - Vorbei. So schnell, wie er immer wieder oben auf war und den Fokus richtig stellte ... ein Wahnsinn. Da muss man mal ein Lobgesang loswerden. Doch auch für den Rest der Mannschaft kann man gute Worte finden. Wille und Einsatzbereitschaft. Das waren zwei Tugenden, die man auf dem Platz bei uns gegen die Spielvereinigung Unterhaching gesehen hatte. Sie wollten und hatten sogar am Ende noch die Chance die Offensivzündung zu starten. Doch im Abschluß waren wir zu ungenau und eine richtige hundertprozentige Chance konnten wir nicht verbuchen.

Egal. Nach 94 Minuten und einer Abwehrschlacht war der Club um einen Punkt reicher. Unterhaching hatte mit 20 Chancen keinen Treffer erzielen können, sie grämten sich umso mehr. Doch für die Unterhachinger ging es auch um nichts mehr. Sie spielen die Saison im gesicherten Mittelfeld zu Ende und können bereits für die kommende Drittligasaison planen.

Der 1. FC Magdeburg hat es selbst in der Hand, dass der Klassenerhalt selbst erspielt werden kann. Dieses Spiel war nicht schön, der Punkt war aber Gold wert. Am kommenden Sonntag kommen die Großaspacher an die Elbe. Dann wollen wir wieder Folgendes sehen:

Mut. Wille. Einsatzbereitschaft. Tore.

Das Leiden geht also in die nächste Runde. Das Leiden der Fans aus M an der E (oder wo auch immer sie sind). Die Aufregung sackt langsam. Das Spiel hat einfach Nerven gekostet. Aber die Mentalität hat gestimmt. Der Bayernkrimi aus Unterhaching ist Geschichte. Es gab ein gutes Ende. 

Das nächste Spiel zählt. Neues Spiel. Neuer Kampf. Neue Chance. Und hoffentlich mit neuer/alter Frische.

Einmal-Immer!