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Der Blick nach Sachsen

09.10.2020von Nicole OtrembaFußball
Ein Elbclassico vor (fast) leeren Rängen

Drei Spieltage sind bereits gespielt und kein Spiel wird einfach werden. Nach 1860 München führt die zweite Auswärtsfahrt nach Sachsen, besser gesagt nach Dresden. Der Elbclassico steht wieder auf dem Plan. Es war nicht allzu lange her, da standen sich beide Teams in der 2. Liga gegenüber. Man trennte sich mit einem 1:1 Unentschieden, da auch damals der Club es nicht schaffte die Führung über die Zeit zu bringen. Der Auswärtsblock feierte, doch in der 86. Minute brachte Lucas Röser diesen zum Schweigen und 28.000 Dynamofans jubelten. 

Damals war das Stadion ausverkauft. 30.500 Fans sahen eine wahnsinnige Choreographie über alle Ränge des Stadions. Es gab vor dem Spiel sogar einen Moment, besser gesagt einen Song, da waren sich Magdeburger und Dresdner Fans einig und sangen gemeinsam das Lied "Sweet Caroline". Tolle Stimmung und tolle Atmosphäre.

Zwei Jahre später sollten statts der 30.500 nur 10.500 Fans ins Stadion kommen. Corona ließ nicht mehr zu. Schlimmer noch. Die Infektionszahlen stiegen (leider erwartungsgemäß zu Herbstbeginn) und die Landesregierung legte fest, dass nur noch 999 Fans ins Stadion dürfen. Die vielen Infektionen machen der Stimmung einen Strich durch die Rechnung. Aber auch für alle anderen Beteiligten gilt nun ein verschärftes Corona-Pflichtprogramm.

Das Spiel selbst ist so brisant wie eh und je. Es stehen sich aktuell zwei Teams gegenüber, die vom Start in die Saison mehr erhofft hatten. Dresden hat immerhin am ersten Spieltag einen schmeichelhaften 1:0 Sieg in Kaiserslautern geholt. Gegen Mannheim erreichten sie, nach langem Rückstand, spät ein Unentschieden und im letzten Auswärtsspiel verloren sie bei der Reserve von Bayern München mit 0:3. Chancen hatten sie da auch genug, doch getroffen hatten sie nicht.

Ganz anders traten wir dagegen in den letzten Spielen auf. Ganz wenige Torchancen führten bislang zu einem mageren Tor in drei Spielen. Dafür kassierten wir fünf Treffer und verloren beide Heimspiele ohne jegliche Chance zu haben diese noch zu drehen. Die Art machte uns fassungslos. Kein Aufbäumen, keine Wut, keine Offensivstärke. Woher sollte sie auch kommen, wenn kurz vor dem letzten Spiel gegen Viktoria Köln noch zwei Angreifer (Brünker und Conteh) ausfielen und andere Offensivkräfte in der Abwehr aushelfen mussten?!

Alles verrückt. Stürmer spielen Abwehr, Mittelfeldspieler stehen vorne. Da musste was getan werden. Die Nerven lagen nach Abpfiff gegen Viktoria Köln blank. Das Gefühl, dass nicht der 3. Spieltag, sondern bereits er 30. Spieltag absolviert wurde, machte sich breit. Unmut brach aus einigen Funktionären heraus und sie drückten gerade Mario Kallnik mit den Rücken zur Wand. Doch dieser schwieg beharrlich und zauberte einen Tag später zwei Stürmer aus dem Ärmel. Zudem trainierte Abwehrspieler Alexander Bittroff mit, der vereinslos war und sich für einen Vertrag anbot. Somit stießen gleich drei Neuzugänge zum Team und der Trainingskader füllte sich zusehends.

Als wenn auch die bisherigen Spieler davon wussten, kehrten auch die verletzten Spieler wieder in den Trainingsbetrieb zurück. Tobias Müller, Leon Bell Bell oder auch Philipp Harant mischten plötzlich wieder mit. 23 Spieler hatte Trainer Thomas Hoßmang nun auf dem Trainingsplatz und alle wollen sie spielen. Da kann man sich doch schon verwundert die Augen reiben. Letztes Wochenende hatte er gerade mal so die Startelf zusammen bekommen und die Ersatzbank besetzt und nun muss er einigen Akteuren die Fahrt nach Dresden "absagen".

Und die Fans? Die wollen, obwohl sie nicht dabei sind, endlich mal wieder ein Spiel sehen, was ihr Clubherz erfreut. Mit Torchancen und noch besser Toren, die man Deutschlandweit bejubeln kann. Man will aus dem Tabellenkeller herauskommen. Das Feld von hinten aufrollen. Doch die Angst ist groß, dass der Frust noch verstärkt wird. Die Angst vor einer weiteren Niederlage ist zu präsent. Weiteren null Punkten und einem letzten Tabellenplatz. Der Gegner am 5. Spieltag wird auch kein Leichterer sein. 

Nun schauen wir erstmal Elbabwärts. Nach Dresden. 90 Minuten Fussball. Und alles beginnt bei einem 0:0 und die Chance etwas mitzunehmen liegt bei 50:50.

Genug Futter für das Phrasenschwein. Wir werden es sehen ...

Sport Frei!