Ein Gebrauchter Abend in Duisburg

24. Spieltag 2. Bundesliga der Saison 2018/2019: MSV Duisburg gegen 1. FC Magdeburg 1:0 (0:0)

Ein Gebrauchter Abend in Duisburg

01.03.2019von Nicole OtrembaFußball
Ein Gebrauchter Abend in Duisburg

Es war ein Gebrauchter Abend hier in Duisburg.

Neben der Niederlage ist auch die schwere Verletzung von Kapitän Christian Beck ein großes Thema und wiegt sehr schwer. Dabei hätten wir auch einen Punkt durch ein Unentschieden gern mitgenommen. Doch seien wir ehrlich ... nach dem erfolgreichen Start in 2019 war es klar, dass wir auch mal eine Niederlage einstecken müssen. Aber musste es gegen den Tabellenletzten sein? Nein.

Zuerst möchten wir auf den hervorragenden Support unserer Gästefans eingehen. Zwischen 1.500 und 2.000 unerschrockene Magdeburger fuhren an einem Freitagnachmittag in den Ruhrpott und wollten beim Punktspiel ihres 1.FC Magdeburg dabei sein und die Mannschaft weiterhin bedingungslos anfeuern. Sie machten von MInute 1 bis MInute 93 ordentlich Dampf und sangen und hüpften und hatten einfach Spaß. Am Ende waren die Gesichter lang und die Laune dahin. Der Gedanke an eine lange Heimfahrt machte es auch nicht besser. Das Team ging dennoch in die Kurve und ein lautes "Ob du gewinnst oder nicht -ohhhoooo- niemand lässt dich im Stich -ohhhooo-, unser Glaube kennt keine Liga, FCM wir lieben dich" ertönte. Das Team nahm es auf. Die Köpfe gesenkt und die Laune am Boden.

Was war passiert?

Eine Menge. Das Team von Michael Oenning konnte von der ersten Minute nicht an die Spiele von vorher anknüpfen. Man passte sich dem Gegner an und ließ sich hinten reindrängen. Duisburg spielte. Sie spielten den Ball durch ihre Reihen. Immer und immer wieder. Wir schauten zu. Die ersten Pfiffe von den Duisburger Fans wurden lauter. Das war kein Fußball der einen Fan vom Hocker haut. Das war pure Langeweile. Keine Offensivaktionen in den ersten 30 Minuten. Doch plötzlich war alles anders.

Kapitän Christian Beck rasselte in einem Kopfballduell mit seinem Gegner Hajri zusammen. Die Köpfe knallten aufeinander und beide Spieler bluteten stark. Es gab eine längere Behandlungspause. Beck musste gleich raus und wurde direkt ins Krankenhaus gefahren. Hajri machte, wie sollte es am Ende sein, per Kopf den Siegtreffer in der 92. Minute. Bitterer hätte der Abend nicht enden können. Doch in der ersten Halbzeit wurde uns ein klarer Elfmeter verwehrt, weil scheinbar auch der Schiedsrichter vom Spiel etwas eingenickt war und die Szene nicht korrekt wahr nahm. Tobias Müller wird beim Kopfball vom Schienbein des Gegners getroffen. Schiri Alt entschied auf "Ball gespielt". Es war wie im falschen Film.

Als ob alle Spieler für ihren Kapitän plötzlich den Sieg wollten, begannen wir 10 Minuten vor der Halbzeitpause zu spielen und die Duisburger hinten reinzudrängen. Endlich packte uns das Offensivspiel und wir hatten wirklich das Gefühl, dass wir das Spiel auch dieses Mal nicht aus der Hand nehmen lassen werden. Nach der Pause drückten wir weiter. So wollten wir das, so mochten wir das. Ein Tor blieb uns verwehrt. Als wir uns schon mit dem Punkt angefreundet hatten und auf den Schlußpfiff warteten, dann das Unfassbare. Glauben können wir es immer noch nicht. Realisieren erst Recht nicht.

Nach dem Abpfiff dann die Info, dass Christian Beck im Krankenhaus liegt und eine schwere Gesichtsverletzung inclusive Gehirnerschütterung erlitten hat. Eine Operation wird folgen und die Gewissheit wird zur Frage: Wer soll ihn denn ersetzen? Die Ausfallzeit wird länger sein. Ob es überhaupt noch vor Saisonende etwas wird, ist fraglich. Alle sind schockiert. Am meisten aber er selbst. Wir können auch hier nur an dieser Stelle die besten Genesungswünsche senden. 

Das Team um ihn herum bekommt nun eine kleine Pause und wird für die kommende Aufgabe gegen den SV Sandhausen Kraft tanken . Das nächste Spiel wird erneut ein 6-Punkte-Spiel werden und wir fragen uns: Hatten wir je eine entspannte Saison? Fürs Herz ist diese Aufregung seit Jahren jedenfalls nichts.

Sport Frei!