Ein Schritt zurück bringt einen Punkt

Unentschieden gegen Ex-Trainer Krämer

Ein Schritt zurück bringt einen Punkt

05.06.2020von Nicole OtrembaFußball
Ein Schritt zurück bringt einen Punkt

Ein großer Name. Der KFC Uerdingen. Große und erfolgreiche Vergangenheit, dann der Absturz und nun gibt es immer mehr Schlagzeilen über das Drumherum, anstatt über die fussballerische Leistung. Ausstehende Gehälter, Suspendierung von Spielern vom Trainingsbetrieb, Trainerentlassungen und und und. Da kann man als Außenstehender schnell den Überblick verlieren und fragt sich: "Wo spielen die eigentlich?". In der 3. Liga und Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena. Der Heimstätte von Fortuna Düsseldorf. Voll wurde sie, auch ohne Coronakrise, nie. Sehr klein und überschaubar ist der eingeschworene Fanblock. Kritisch beäugt wird eher nur der Investor, der russische Förderer der Krefelder. Und als dann noch die Nachricht die Runde machte, dass Stefan Effenberg angeheuert hatte ... nun denn ... lange dauerte die dienstliche Zusammenarbeit ja nicht.

Die Krefelder geben somit eher viel Gesprächsmaterial für die Klatschblätter, als für die Sportzeitung. Doch wenn wir es sportlich betrachten, ist die Mannschaft mit vielen ehemaligen Bundesligaspielern, bzw. Profis bestückt. Das Geld ist da, da kann man sich Namen wie Kirchhoff, Bittroff und Co leisten. Anfangs stockte der Motor dort noch, doch langsam kommen sie in die Spur und sie kratzen sogar weiterhin an den Aufstiegsplätzen. Dort wollen sich viele wiederfinden, die der Fortsetzung der Liga zugestimmt hatten.

Im Hinspiel haben wir in Düsseldorf ein wirklich langatmiges Spiel gesehen. Damals noch mit Trainer Stefan Krämer an der Seitenlinie, stand am Ende ein 0:0 auf der Anzeigetafel und man verließ die Arena eher frustriert, als glücklich über den Punkt. So richtig wusste man nicht was man von dem Spiel halten sollte. Und genauso erging es mir phasenweise heute beim Rückspiel. Dieses Mal stand auch wieder Stefan Krämer an der Seitenlinie, doch er hatte einen anderen Hoodie an. Kein Clubzeichen war auf der Brust, sondern dass des KFC Uerdingen. 

Nach dem Anpfiff erwartete man wieder das Offensivspiel und den Drang nach vorne. In den letzten zwei Spielen hatten wir das schon des Öfteren gesehen und man erwartete einfach, dass die Mannschaft dort ansetzte. Doch weit gefehlt. Es wurden in den Abwehrreihen die Pässe bis zum Verderben durchgespielt. Der Blick nach vorne und keine Anspielstation, also spielte man weiter hinten herum. Dann ein langer Schlag über das Mittelfeld hinweg und weg war der Ball. Der Gegner war hier dabei zwingender und kam dabei viel zu oft gefährlich vor unser Tor. Über Osayamen Osawe oder Franck Evina ging zudem viel, da wir diese Spieler einfach nicht in den Griff bekamen. Zudem zog immer wieder Patrick Pflücke gefährlich aus dem Rückraum ab. Mehrmals pusteten wir tief durch und waren hoffnungsfroh, dass noch kein Gegentreffer gefallen war. Doch sobald man dies auch schon gedacht hatte, kamen die Gäste wie aus dem Nichts zu ihrer Chance und Christian Dorda bekam den Ball zentral vor dem Tor und hämmerte diesen ins Netz. 39 Minuten auf der Uhr und erneut der Rückstand. 

Und unsere Chancen? Da hatten wir zwar die ein oder andere Möglichkeit, doch eine richtige 100%ige Chance konnte nicht herausgespielt werden. Die Abwehr der Krefelder stand sicher und immer wieder wurde der Ball entweder bei der Flanke oder beim Zuspiel aus dem Strafraum geklärt. 

In der Pause sprachen sich nicht nur die Spieler Mut zu. Auch wir schalteten auf "Optimismus" um und hofften einfach, dass es die Jungs auch einmal hinbekommen könnten, ein Spiel zu drehen. Andere Vereine und Mannschaften machten es vor, doch der Ausgleich war auch nach Wiederanpfiff sehr weit weg. Die Angriffe gingen zwar schneller nach vorne, doch einen Abnehmer fanden wir selten. Daher wurde der Elfmeterpfiff für den Club umso mehr gefeiert. Christian Beck wurde im Strafraum geschoben und die Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein zeigte auf den Punkt. Wieder nahm Jürgen Gjasula in voller Überzeugung den Ball und legte ihn auf den Elfmeterpunkt. Wir schrieben die 58. Spielminute und hielten einfach die Luft an. Hinschauen oder nicht? Die Schiedsrichterin pfiff und wir zogen die Luft tief ein. Und dann? Kein sofortiger Jubel, denn der Ball knallte an den linken Innenpfosten und sprang erst dann ins Tor. Boah. Egal. Ausgleich und noch eine halbe Stunde auf der Uhr.

Ab der 60. Minute begannen die Wechsel und es wurde auch bei uns noch offensiver. Mit Daniel Steininger ersetzte man den glücklosen Sirlord Conteh. Kurz darauf machten Patrick Möschl und Mario Kvesic Platz für Leon Bell Bell und dem Geburtstagskind Sören Bertram. Mario Kvesic war es allerdings, der im Spiel viele Freistöße herausholte, doch die Ausführung war leider nicht zielführend. 

Mit dem Ausgleich spürte man einen Ruck durch beide Mannschaften. Das Spiel wurde etwas schneller. Und dann kamen auch wir zu mehr Chancen, doch leider wurden diese nicht konsequent bis zum Ende ausgespielt. So vergab noch Mario Kvesic vor seiner Auswechslung knapp und Daniel Steininger jagte den Ball weit am Tor vorbei, weil er sich für die falsche Seite für eine Drehung incl Ballannahme entschieden hatte. Rico Preißinger ging immer vielen Bällen nach, wurde dementsprechend auch hart bearbeitet und musste dann noch verletzungsbedingt vom Platz. Thore Jacobsen war ein adäquater Ersatz, allerdings reichte die Zeit auch nicht mehr, um noch zwei Punkte mehr mitzunehmen. Eher musste man am Ende wieder zittern und um den einen Punkt bangen. Die letzte Aktion war allerdings auf unserer Seite. Ein Freistoß aus knapp 35 Metern auf der linken Seite kann auch mal im Netz wackeln. Kann. Aber leider nicht bei uns. So erholten wir uns nach dem Schlusspfiff eher von der Großchance der Krefelder, als Dominic Maroh den Ball knapp am linken Torpfosten vorbeischlenzte (89.).

Nach Abpfiff sagte unser Trainer Pele Wollitz das, was wir dachten, aber nicht auszusprechen wagten. Das war kein gutes Spiel. Zu langsam. Zu behäbig. Keine Chancen. Das war ein Punktgewinn und ein Sieg wäre einfach nicht verdient. Keiner hätte danach gefragt, wenn wir dennoch drei Punkte mitgenommen hätten, aber letztendlich wollen wir nicht trauern. Der Punkt ist sicher und auf dem Konto und im nächsten Spiel gibt es die nächste Chance.

Neues Spiel. Neue Chance. Neues Glück.

Einmal-Immer.