Manchmal geht der Ball rein - manchmal auch nicht

Ärgernisse auf allen Ebenen - Magdeburg lässt zwei Punkte liegen

Manchmal geht der Ball rein - manchmal auch nicht

25.10.2019von Nicole OtrembaFußball
Manchmal geht der Ball rein - manchmal auch nicht

Vor Anpfiff

... beste Laune auf allen Ebenen. Das Wetter war gut, der Stau wurde erfolgreich umfahren und das Stadion hatte einen gewissen Charme. Viktoria ist halt nicht die Nummer Eins in Köln. Aber man macht etwas daraus. Mitten in einem Naturschutzgebiet befindet sich der Sportpark Höhenberg. Zusammengewürfelt aus verschiedenen Stadionkomponenten erstrahlt aber eines richtig gut. Das satte Grün des Rasens. Die Tribüne mit Blümchen umrankt, die alten Flutlichtmasten ragten in die Höhe und die nostalgische Anzeigetafel zeigte uns letztendlich nur den Spielstand. Keine Zeitanzeige, kein neumodernes Drumherum. Das Stadion ist einfach für den Fußball gedacht. 

Dennoch staunten unsere Fans im Sitzplatzblock nicht schlecht, als diese fernab des Stehbereiches an der Eckfahne Platz nahmen und sich die anderen blau-weißen Anhänger an der Längstseite der anderen Spielhälfte befanden. Zwar auf der gleichen Seite, aber dennoch weit voneinander entfernt. Der Stehplatzbereich bot einige Reihen, die von einem hohen Zaun umgeben waren. Und dieser Zaun blieb lange "unbehangen". Die ersten Reihen waren frei, der Rest versorgte sich im Block mit Bier und Wurst und wartete auf den Großteil der Anhänger.

Block U kam wenige Minuten vor Anpfiff ins Stadion, alle Handgriffe mussten schnell sitzen und als die Trommeln an Ort und Stelle waren, die Blockfahnen hingen und die Capos ihren Platz auf den Zaun einnahmen, konnte es losgehen. 

Auf dem Platz wurde sich vorher oft und viel geherzt. Kölns Trainer Pavel Dotchev ist bekannt bei Spielern und Trainern. Sören Bertram verbindet einige Erinnerungen an das Trainerteam und die Mannschaft an sich hatte sich für dieses Spiel viel vorgenommen.

Mitten im Spiel 

... fiel dann plötzlich das Flutlicht teilweise aus. Vorher, als die Lampen alle leuchteten, konnten wir die ersten Minuten gar nicht greifen und wünschten uns die "Rückspultaste". Alles bitte noch einmal von vorne. Ein Tor welches wir uns selbst in die Maschen hauten, der Ball hinter der Linie war und doch nicht zählte, ist noch etwas positives. Doch der schnelle Rückstand nach 9 Minuten ließ uns dann doch in eine kleine Schockstarre versetzen. Nach 20 Minuten berappelten wir uns allerdings. Leon Bell Bell, der für viele völlig überraschend in der Startelf auftauchte, eroberte den einen oder anderen Ball und trieb diesen schnell nach vorne. Zudem war auf der rechten Seite wieder mit Dominik Ernst ein schneller Läufer zugegen, der die Flanken zu Kapitän Christian Beck und Sören Bertram schlagen sollte und auch wollte.

Sören Bertram war es dann, der nach 20 Minuten wieder unsere Hoffnung schürte, dass doch alles gut werden würde. Der Ausgleich war gemacht. Ein lautes Gebrüll der Erleichterung folgte und dann wollte der Club mehr. Trotz fehlendem vollem Flutlicht. Dieses schumrige Dunkel auf dem Platz kennt man nur von Amateurspielen. Dort sind die Kunstrasenplätze so dermaßen schlecht beleuchtet, dass auch hier die beste Kamera dem Fotografen leise ins Ohr flüstert "Lass es lieber". Doch bei Viktoria Köln fanden wir eine gute Einstellung und konnten unsere Magdeburger Spieler weiterhin im Fokus behalten.

Mit diesem 1:1 ging es in die Pause und das innere Gefühl, dass hier was geht ... das ging irgendwie nicht weg. Die Seiten wurden gewechselt und nun spielte Magdeburg auf das Tor zu, wo sich dahinter das VIP/Pressezelt befand und von wo vereinzelt die Zuschauer vom gedeckten Tisch direkt auf den Rasen schauten. Den Kölner Anhängern blieb dann vereinzelt der Bissen im Halse stecken, denn der Club drückte. Sie kamen über rechts, sie kamen über links, sie kamen zentral und doch ging der Ball nicht ins Tor. Bei so vielen Chancen musste doch aber die Kugel diese ominöse weiße Linie irgendwann einmal überqueren. Das tat sie auch, nach einem Kopfball von Dominik Ernst, der Linienrichter zeigte das Zeichen "Tor", doch der Schiedsrichter sah (mal wieder) nichts. Ob es doch am fehlenden Licht lag?

Die Bälle, die allerdings an den Innenpfosten gingen oder den knappen Weg am Torpfosten vorbei suchten, hatten nichts mit der Lichteinstrahlung zu tun. Das war einfach Pech. Tarek Chahed "klärte" dann einen Ball Zentimeter vor dem Tor noch über die Latte, obwohl er ihn mit allem hätte reinmachen können, aber völlig von der Situation überrascht wurde. Und Anthony Roczen zuckte mit dem Bein, blieb aber stehen, als das Spielgerät sich entschied rechts am Torpfosten vorbei zu drehen. Ein Schritt nach vorne und er hätte das Tor mit der Pike machen können. Es sollte irgendwie nicht sein.

Nach jeder vergebenen Chance haderten die Spieler mit sich selbst. Dominik Ernst sah die gelbe Karte, weil ihm bei einem Zweikampf im Strafraum eine Schwalbe zugesprochen wurde. Und Sören Bertram haderte mit den Zuspielen, die nicht zum ihm kamen. Nachdem Christian Beck allein auf das Tor ging und nicht abzog, sondern sich für die Eins-zu-Eins-Situation entschied, stand er frei vor dem Tor und signalisierte "hierher". Doch Beckus zog ab und der Ball war nicht im Tor. Bertram stand aber Sekunden noch verzweifelt auf der Stelle und zeigte zu Boden mit der eindeutigen Geste: "Hierher". Er hätte so gerne noch einen zweiter Treffer beisteuern wollen.

Es blieb dabei. Der Ball wollte nicht ins Tor. Der Offensivdrang war aber ein ganz anderer als eine Woche zuvor gegen Hansa Rostock.

Nach dem Spiel

... sinnierten wir und resümierten, dass wir ein gutes Spiel des Clubs gesehen hatten. Zwei Vertreter von Block U gingen im Nachgang noch in den Teamkreis und machten eine klare Ansage (auch im Hinblick auf das kommende Heimspiel) und sie stellten klar, dass sie weiterhin hinter der Mannschaft stehen und erwarten, dass jeder Spieler für das Emblem auf dem Trikot einfach ALLES gibt.

Die knapp 600 mitgereisten Fans jedenfalls haben alles gegeben. Stimmungsmäßig waren wir das Highlight. Und das werden wir beim nächsten Auswärtsspiel wieder volle Hütte erleben. Dann in München, wo das Bier noch etwas leckerer schmeckt und das Stadion an der Grünwalder Strasse gewisse Fussballsehnsüchte hervorruft. Es hat was von "Regionalligafussball", das Stadion in Köln und dann auch in München. Aber es fühlt sich irgendwie "echt" an. Fussball in Stadien, die schon viel miterlebt haben.

Mitten in der Nacht

... oder besser am frühen Morgen erreichten wir dann wieder unsere Heimat. Es ist anstrengend, aber irgendwie machen auch diese Auswärtsfahrten einen gewissen Reiz aus. Völlig übermüdet, aber dennoch positiv gestimmt, ging es in eine kurze Nacht. 

Einmal-Immer!