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Auswärtsspiel in Kaiserslautern

14.11.2020von Nicole OtrembaFußball
Stille auf dem Betzenberg

Vor einem Jahr hüpften, tanzten und sangen knapp 5.000 Magdeburger Fans auf dem Betzenberg. Eine Schar von blau-weißen Anhängern marschierte den Berg hinauf. Stimmungsmäßig haben wir gewonnen, am Ende gab es einen Punkt, nachdem wir nach einem Rückstand noch den Ausgleich markierten.

Im November 2020, mitten in der Corona-Pandemie, war das Stadion leer. Keine Zuschauer, keine Fans. Gespenstige Stille. Nur wenige Reporter und Fotografen wurden zugelassen. Coronastufe dunkelrot. Mit dem Blick in den Gästeblock kam auch die Wehmut zurück. Die Sehnsucht nach der Stimmung und der Unterstützung ist einfach zu groß. Man kann es gar nicht in Worte fassen. Immer wieder schaute ich auf den leeren Gästeblock. Und vor meinem Auge sah ich sie. Alle. Ich sah den ganzen "Mob". Ich sah sie hüpfen, ich sah sie wandern, ich hörte ihre Stimmen.

Nach der Erwärmung, den Begrüßungen und den TV Interviews warteten wir auf den Anpfiff. Alles verläuft in Coronazeiten so geräuschlos. Man bekommt nicht automatisch durch die Zuschauer mit, wenn eine Mannschaft das Feld betritt. Es folgt auch kein Pfeifkonzert, wenn ein Spieler eine unerwünschte Geste macht. Man muss selbst schauen. Und so schaute ich. Hinter meiner Kamera und den Fokus auf die Spieler. 

Die unterschiedlichen Definitionen eines Spiels erkennt man mittlerweile wirklich daran, ob man das Spiel vor dem TV gesehen hat, oder als fast einzige Person im Stadion anwesend war. Vor dem TV, ohne Emotionen, ohne Gesang, ohne Kumpels, ohne Bier und ohne das Drumherum ... erscheint das Spiel nüchtern betrachtet: Langeweilig. 

Doch aus meiner Sicht: Live vor Ort, die Worte der Spieler, die Worte der Trainer, die Gesichter der Auswechselspieler, die Gestiken vor Ort, der Rasen, der schon vom Anblick her nasskalte Füße verursachte, die kleinen Dinge zwischen den Spielern untereinander ... das Spiel war nicht langweilig. 

In der ersten Halbzeit hatten wir viel Ballbesitz, allerdings ohne eine echte Torchance herauszuspielen. Kaiserslautern war bei Weitem nicht besser. Sie hatten nur mehr Möglichkeiten, doch die Defensive, die stand bei uns. In den letzten Tagen wurde viel in der Defensive gearbeitet und geübt. Die einfachsten Gegentore sollten der Vergangenheit angehören. Ein weiteres Puzzleteil in der gesamtheitlichen Ausbildung dieser neu zusammengestellten Mannschaft. Also wurde verteidigt. Und das klappte richtig gut. Auf der anderen Seite jedoch hatten wir das Offensivspiel dahingehend zurückgesteckt. Gegen Bayern II wurde noch ordentlich nach vorne gespielt, so wollten alle dies auch gegen Kaiserslautern sehen. Doch der Rasen war eine reinste Katastrophe. Im TV sah man dies so nicht. Es war ein Acker. Tief. Nass und holprig. Gerutscht sind beide Teams. Doch einen vernünftigen Ball zu spielen, war fast unmöglich.

Nach den ersten 45 Minuten und mit diesem torlosen Unentschieden ging es in die Pause. Der Schiedsrichter, der auch in anderen Spielen kaum eine Karte zückte, war an diesem Tag auch kaum gefordert. Der Gegner kam aber besser aus der Kabine und irgendwie waren unsere Spieler noch mit der Taktik beschäftigt, da führte Kaiserslautern. Es war ein klares Abseitstor, was Kapitän Tobias Müller auch dem Schiedsrichter und Linienrichter erklären wollte. Doch keine Chance. Pourie markierte die Führung und feierte sich selbst vor den leeren Rängen. Dann waren wir wacher und die Köpfe waren oben. Trotz des Rückstandes spielten wir nach vorne und ein schön gespielter Standard brachte den Ausgleich und wahrscheinlich gleich eine Nominierung für Andreas Müller zum Tor des Monats mit sich. Der Jubel, vor dem Gästeblock, aber auch vor den Auswechselspielern der Lauterer, war voller Emotionen, aber auch deutlichen Worten des Gegners. Böse Blicke wanderten hin- und her.

Das Spiel wurde interessanter und bevor der Ausgleich fiel und unser Abwehrspieler Korbinian Burger einen unhaltbaren Ball gegen die Latte lenkte, da wusste ich ... ein Punkt nehmen wir mindestens mit. Am Ende hätten es sogar glückliche drei Punkte sein können. Ein Freistoß wurde Adrian Malachowski nicht gegeben, obwohl er an der rechten Strafraumgrenze vom Gegner am Fuß getroffen und gefoult wurde. Da es genau vor meinen Augen passierte, hörte ich ihn nur laut auf polnisch fluchen. Verstanden hatte ich nichts, aber Recht hatte er für mich allemal.

Und fast zum Abschluß des Spiels brachte Christian Beck mit einem tollen Zuspiel Florian Kath auf die Reise. Er ging fast bis zur Torauslinie, der Torwart war geschlagen und er zielte aufs Tor ... aber der Ball ging nicht rein. Auch er fluchte vor sich hin. Sie wollten unbedingt. Es war am Ende ein offener Schlagabtausch. Es hätte für beide ein Sieg herausspringen können, doch einen Punkt kann jeder gut mitnehmen. 

Schnell wurde nach Abpfiff das Licht und die Anzeigetafel auf dem Betzenberg ausgemacht. Sparen ist hier die oberste Devise. Es folgten noch ein paar Interviews und dann machten sich alle geräuschlos auf den Weg nach Hause. Die Magdeburger Spieler bestiegen den Bus, wir sichteten schnell noch Bilder und dann ging es in die Lauterer Nacht auf die Autobahn in Richtung Heimat. 

Nächste Woche? Nächster Halt: Ingolstadt. 

Bilder vom Spiel findet ihr in der Galerie.