Stimmungsboykott mit Testspielcharakter - Ein Punktgewinn in Chemnitz

Unsere Aufarbeitung zum Spiel beim Chemnitzer FC

Stimmungsboykott mit Testspielcharakter - Ein Punktgewinn in Chemnitz

16.08.2019von Nicole OtrembaFußball
Stimmungsboykott mit Testspielcharakter - Ein Punktgewinn in Chemnitz

Stimmungsboykott. Testspielcharakter. Enttäuschung.

Vor dem Spiel war die Euphorie groß. Mit der Leistung, die das Team gegen Waldhof Mannheim und den SC Freiburg zeigte, hatte man die drei Punkte beim Chemnitzer FC schon fast eingeplant. In den unruhigen Zeiten, die Chemnitz gerade durchlebt, wusste man allerdings auch nicht, wie sich sich präsentieren. Geht diese Unruhe bei den Spielern spurlos vorbei? Können sie es abschütteln und befreit aufspielen? Sie versuchten es und stellten sich gegen eine passstarke Truppe, wie den 1.FC Magdeburg, ganz tief hinten rein. Damit hatte der 1.FC Magdeburg schon immer Probleme. Und eine Lösung fanden sie am heutigen Spieltag nicht.

Die ersten Minuten widmen wir allerdings den Gästefans. Aufgrund des Stimmungsboykotts, die die Ultras durchgezogen haben, supportete nur ein Fanblock. Das war unserer. Es hallte und es war laut. Jede Minute wurde ein neues Lied angestimmt. Es wurde gesungen, es wurde gehüpft und der Wechselgesang machte Runde um Runde. Die Spieler auf dem Platz gingen in eine Richtung und das machte Hoffnung. Die Magdeburger spielten auf das Chemnitzer Tor zu, der Abschluß fehlte allerdings. Dann kippte das Spiel. Die Chemnitzer hatten sich berappelt und schalteten plötzlich schneller um. Immer und immer wieder suchten sie ihren Stürmer Tarsis Bonga. Der ist nicht nur von großer Statur, sondern auch schnell. Irgendwie geht auch keiner an ihn heran. Ehrfürchtig schauten sie und Bonga lief durch. Wie schon gegen den Hamburger SV konnte er sich dadurch Chancen erarbeiten. Am Abschluß haperte es allerdings. Glück für uns.

Block U gab weiterhin Gas. Das Spiel verflachte zu einem Testspielkick. Wir fühlten uns wie in England. 1.600 Fans machten Stimmung, feierten sich selbst und unten auf demn Rasen jagten 22 Spieler einem Ball hinterher. Doch das entscheidende Pässchen fehlte. Das zermürbte dann auch zum Ende der Halbzeit hin, den allgemein positiv gestimmten Clubfan.

Ratlose Gesichter zur Halbzeitpause. Durchschnaufen. Nach 45 Minuten hatten wir mehr erhofft. Doch anstatt eines Aufbäumens wurde es für uns noch "anstrengender". Die Nervosität nahm von MInute zu Minute zu. Der Spieler der zweiten Halbzeit wurde dann unfreiwillig unser Torhüter Alexander Brunst. Er rettete uns in der zweiten Halbzeit mehrmals vor dem Rückstand. Er faustet weg, er geht tief, klärt per Fußabwehr oder die Latte war am Ende auch noch unser Glücksbringer. Das Chemnitzer Publikum konnte es kaum glauben, was für Chancen sie sich gegen uns herausgespielt hatten. Doch wir Magdeburger rieben uns ebenfalls ordentlich die Augen und atmeten schwer.

So richtig in Fahrt kamen wir in der zweiten Hälfte nicht mehr. Die klareren Torchancen hatte weiterhin der Chemnitzer FC. Unsere Pässe in die Tiefe waren zu ungenau, so dass immer wieder ein Ballverlust folgte. Die Hausherren schalteten schneller und liefen schnell auf Brunst zu. Meist suchten sie ihren Stürmer Bonga. Den ließen wir auch laufen und somit hatten wir, mal wieder, Schnappatmung. Mit dem Spielverlauf und der nicht mehr so temporeichen Partie wurde kurioserweise auch der Support langsamer. Manchmal hatten wir das Gefühl, ein Spiel in Zeitlupe läuft vor uns ab. Als unser Team zwischenzeitlich, nach einem "FCM Erwache" aus dem Block, einen Gang hochschaltete, war auch der Support sofort lauter und kräftiger. Doch es hielt nicht lange vor. Leider.

Am Ende fuhren die knapp 1.600 Clubfans etwas nüchtern nach Hause. Die Spieler standen nach Abpfiff bedröppelt da, als wenn sie verloren hätten. Es fühlt sich auch so an. Objektiv betrachtet war es ein Punktgewinn. Für die Chemnitzer waren zwei Punkte, die sie verloren haben. So kann Fußball sein.

Nach einem kurzen "Kämpfen und Siegen" aus dem Block ging es sofort für die Mannschaft in die Kurve. Der Vorsänger winkte ab, was das Einklatschen betraf. Man wollte einfach nur nach Hause. Die Aufgabe, die sie im Pokalspiel gegen den SC Freiburg mitbekommen haben "Alles zu geben und einen Auswärtssieg einzufahren", haben sie nicht erfüllt. Und das wissen sie.

Beim nächsten Mal wird alles besser. Oder?

Die Pressekonferenz nach dem Spiel:

In diesem Sinne. Sport Frei!