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Eine etwas andere Reportage über das Heimspiel gegen Hansa Rostock

25.11.2020von Nicole OtrembaFußball
Unentschieden im Ostduell

Und wir steigen gleich ein in die Übertragung des heutigen Spiels des 1.FC Magdeburg gegen den FC Hansa Rostock =>

"Herzlich Willkommen zum 11. Spieltag. Wir befinden uns in der Magdeburger MDCC-Arena, von den Fans auch liebevoll HKS genannt und schon vor Anpfiff die die Stimmung bombastisch. Ein volles Haus, ein ausverkaufter Gästeblock an einem Mittwochabend. Da ist man als Fan und Zuschauer schon wunschlos glücklich.

Bereits vor dem Spiel singen sich die Fangruppierungen ein. Es schallen die Gesänge quer durch das Stadion. Es ist unfassbar laut hier im Rund. Man versteht quasi sein eigenes Wort nicht mehr. Der Schiedsrichter der heutigen Partie ist Sven Jablonski aus Bremen und auch er wird bestimmt von dieser unglaublichen Stimmung geflasht sein, denn SO ETWAS sieht und hört man in der ersten und zweiten Bundesliga, wo er oft zu Gast ist, kaum.

Doch kommen wir zu den Aufstellungen. Bei den Rostockern haben mittlerweile einige Ex-Magdeburger angeheuert. Wir sehen Björn Rother in der Startaufstellung. Die anderen beiden Akteure wie Jan Löhmannsröben und Manuel Farrona Pulido nehmen erstmal auf der Bank Platz. Beim Verlesen der Aufstellung der Gäste gab es für Björn Rother und speziell für die beiden Rostocker Trainer, die hier nicht vergessen sind, einen tosenden Sonderapplaus. Unter den rhythmischen Rufen "Jens Härtel" schweifte doch ein Blick des Trainers in die Kurve und ein seeliges Lächeln machte sich in seinem Gesicht breit. Ja, dieser Jens Härtel ist hier weiterhin unvergessen und hat den 1.FC Magdeburg zu großen Erfolgen geführt.

Unsere Spieler haben sich bereits unter tosendem Applaus warm gemacht und kommen nun unter dem Klang der Glocken vom Dom auf das Spielfeld.

Liebe Fans, ihr könnt euch nicht vorstellen, was das hier für eine Atmosphäre ist. Gänsehautfeeling. Eine tolle Choreographie, die sich über den gesamten Block U erstreckt, wird gerade hochgezogen und die obligatorischen Lichtelemente finden den Anzünder. Der Schiedsrichter beäugt dies natürlich gerade mit Argusaugen und wird die Partie wohl um einige Minuten später anpfeifen. Der Grund sind die Rauchschwaden, die sich nun an diesem kalten Novembertag durch das Stadion ihren Weg bahnen. Für mich ist der komplette Block U in Nebel gehüllt. Sie singen, sie hüpfen und die Worte "Denket daran, wir stehn hinter euch als zwölfter Mann" schallt es laut durch die Arena.

Die Seitenwahl ist mittlweile vollzogen und die Rauchschwaden verziehen sich. Somit kann das Ostduell auch gleich beginnen. Die Aufregung steigt und das obligatorische Einklatschen folgt nun. Das ganze Stadion steht. Kapitän Christian Beck steht an Anschlußpunkt und als ein lautes "Fussballclub Magdeburg" durch das HKS scheppert, pfeift Schiedsrichter Jablonski die Partie an ...

... ja, es ist eine ausgewogene Partie. Nach anfänglicher Oberhand der Gäste kommen nun die Hausherren besser ins Spiel. Luka Sliskovic versuchte es auch gleich mal mit einem satten Schuß aufs Tor, wo sich Torhüter Kolke ganz schön strecken muss. Doch dann bekommt Alexander Bittroff frühzeitig die gelebe Karte. Oh je - Erinnerungen aus dem letzten Spiel in Ingolstadt werden wach, als Jürgen Gjasula auch früh die Karte sah und kurz darauf duschen gehen musste. Hoffen wir, dass Bittroff mit seiner Erfahrung dies nicht wiederholt.

Die Anfeuerungsrufe werden lauter, denn Sirlord Conteh geht in die Box, legt ab auf Christian Beck, der Ball wird gehalten und dann der Nachschuß und TOOOOOOOOOORRRRRRRR. Ja, ist denn das die Möglichkeit. Das Stadion ist ein Tollhaus. Beckus rennt zur Eckfahne vor dem Gästeblock und bekommt sogleich die Bierdusche obendrauf. Die Gästefans sind ausser Rand und Band, aber dafür feiern und jubeln die anwesenden 25.000 Magdeburger Fans. Es ist so brachial laut hier, ich verstehe mein eigenes Wort nicht mehr. Was freut er sich, der Beckus. Und was freuen wir uns mit ihm mit. Unglaublich. Magdeburg geht mit 1:0 in Führung. Können Sie nachlegen? ...

... und da spielt Conteh seine Schnelligkeit aus. Ja, was macht er denn? Er geht am Abwehrspieler vorbei. Zieh Sissi, zieh ... und da steht er vor Kolke und zieht von links kommend aufs Tor, aber der Ball geht knapp rechts am Tor vorbei. Das gibt es doch nicht. Die Zuschauer jubeln und bauen ihn auf und die Gesänge werden von mal zu mal lauter. Die Spieler verstehen die Worte von Trainer Hoßmang nicht mehr und Trainer Härtel schaut unaufhörlich auf die Uhr. Können wir diese Führung noch ausbauen?

Halbzeit hier im HKS. Freunde des Fußballs. Was für ein Spiel, was für eine Atmosphäre. Hier wird ein Wechselgesang nach dem Nächsten durch die Arena getragen. Die Rostocker haben keine Chance durchzudringen. Hin und wieder folgten kleinere Lichtelemente im Rostocker Block, die aber keine Auswirkung auf das Spiel und die Sicht hatten. Hoffen wir auf eine zweite spannende Halbzeit. Ich bin gleich wieder da.

Ja ... und da bin ich wieder. Die Kälte kriecht hier durch die Glieder, aber diese Stimmung erwärmt einem das Herz. Das Kartenkontingent war so schnell vergriffen. Es ist immer schade, wenn ein Fan hier leer ausgeht und das Spiel nur vor den medialen Endgeräten verfolgen kann. Gerade diese Stimmung, die mittlerweile Deutschlandweit bekannt ist, dass ist es, was dieses Spiel ausmacht. Rostock will nun in der zweiten Halbzeit natürlich diesen Rückstand egalisieren. Und sie drücken auf das Magdeburger Tor, doch die Abwehr um Tobias Müller steht und haut die Bälle unter Applaus nach vorne.

Rostocks Trainer Härtel und auch unser Thomas Hoßmang sind so aktiv an der Linie, die gehen leider bei der Lautstärke völlig unter. Man kann ihre Emotionen nur anhand der Körperaktionen erahnen. Sie werden heiser sein. Doch schauen wir auf die Partie und nun zieht sich Magdeburg leider zurück und kann sich aktuell nicht befreien.

Freistoß für Rostock an der Strafraumkante. Pfeifkonzert von den Rängen. Unsere Spieler positionieren sich. Morten Behrens schiebt seine Vordermänner zurecht und dann kommt der Ball ... abgewehrt. Die Spieler fausten die Hände und Jubel auch von den Rängen. Können wir das halten?

Kurzzeitige Stille im HKS und Jubel im Gästeblock. Der Ausgleich ist hier gefallen. Der Rostocker Torschütze rennt zum Block und lässt sich feiern. Nun sind die darum sitzenden Clubfans außer sich. In Block 11 und 12 erregen sich die Gemüter. Es fliegen Schimpfworte in eine Richtung, doch Block U stimmt das nächste Lied an und dieses umso lauter. Und die Spieler fangen sich. Unter dem Szenenapplaus und der tosenden Menge versuchen sie den Ball nach vorne zu tragen. Sören Bertram, der für Luka Sliskovic in die Partie kommt, sieht seinen Stürmer (Beckus) vorne stehen und will die Bälle auch genau passen. Es bleibt hier also weiterhin spannend...

.... die letzten Sekunden laufen. Schiedsrichter Jablonski hatte drei Minuten Nachspielzeit angezeigt, die nun laufen. Im Stadion werden die Pfiffe lauter und die Rufe nach dem Abpfiff übertönen alles andere. Rostock geht immer und immer wieder auf unser Tor zu, aber geklärt. Puhhh ... da blieb mir fast noch einmal das Herz stehen. Aber nun ist es amtlich. Der Schiedsrichter pfeift das Spiel bei dem Endstand von 1:1 ab. Mit dem Punkt können wir gvut leben, obwohl noch mehr drin war, aber letztendlich ist es okay.

Meine Stimme hat nun auch fast den Geist aufgegeben. Bei dieser Lautstärke kommt man schwer gegen an. Es gibt Applaus und die Fans harren auf den Rängen aus und erwarten die Spieler auf ihrer Runde durch das Stadion.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle bei euch und es war mir eine Ehre, bei diesem spannenden Ostduell dabei zu sein. Tolle Stimmung, tolle Choreographie und erneut ein gutes Spiel unserer Mannschaft, obwohl uns der Punkt nicht viel weiterhilft. Da müssen wir wohl auswärts in Zwickau ran. Der Druck wird größer, aber mit den Fans im Rücken, als zwölfter Mann, können die Jungs bestimmt noch eine Schippe drauf legen.

Damit verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine angenehme Nachtruhe. Kommt alle gut heim, wir sehen uns ...."

Hab ich das jetzt doch nur geträumt? Ach Mensch ... es wäre so schön gewesen. Der Wunsch ist Vater des Gedanken ... ich vermisse es so sehr.