Von Freiburg nonstop nach Magdeburg - Der DFB Pokal machts möglich

De Breigauer zu Gascht im Oschte

Von Freiburg nonstop nach Magdeburg - Der DFB Pokal machts möglich

09.08.2019von Nicole OtrembaFußball
Von Freiburg nonstop nach Magdeburg - Der DFB Pokal machts möglich

"Ich weiß nicht, was morgen ist. Wenn ich das wüsste, das wäre ja furchtbar."

Die erste Liga ist noch gar nicht in Gange, da rollt schon der DFB-Pokal vor. Die erste Runde steht an und mit ihr sehr viele Spiele von Bundesligisten gegen unterklassige Gegner. So ist der Fokus auf die Mannschaften gerichtet, die gegen Bayern München oder Borussia Dortmund spielen. Der FC Augsburg hat bestimmt erneut laut hörbar ausgeatmet, als das Los mal nicht auf den 1.FC Magdeburg fiel, sondern auf den SC Verl. Die kleinen Vereine haben ein ausverkauftes Stadion, Geld wird in die Kasse gespült und man will sich gut verkaufen. Der Favorit muss dagegen mit viel Motivation, Engagement und Härte klarkommen. Tikki-Takka ist nicht. Der Rasen ist meist auch nicht aus Wembley und die Stimmung auf den Rängen auch eine ganz andere. Die Auslosung zur 1. Runde war fast beendet, da lagen nur noch drei Kugeln in jedem Lostopf. Unter Anderem der große 1.FC Magdeburg. Wir sinnierten und überlegten welche Bundesligamannschaft (egal ob 1. oder 2. Liga) auch noch nicht gezogen war. Wir wussten immer nur, dass es uns mit RB Leipzig treffen könnte. Einen kleinen, unscheinbaren Verein hatten wir gar nicht auf dem Schirm. Und der wurde es dann. Der SC Freiburg.

"Am beschte: Machsch` de Fernseher aus, schausch` de Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch`! Übsch`!"

Klein? Unscheinbar? Natürlich nicht. Aber im Vergleich zu Bayern Münschen, Borussia Dortmund und Schalke 04, arbeitet Freiburg seit Jahren so still  und leise vor sich hin. Sie sind ganz groß in der Jugendarbeit. Sie fördern, sie leihen aus, damit die jungen Wilden ihre Spielpraxis bekommen und sie holen sie auch wieder zurück. Wenn derjenige allerdings nichte mehr ins System passt, dann wird dieser zu seinem Gunsten (und des SC Freiburg) verkauft. Der Verein finanziert sich durchaus durch seine Spielerverkäufe. Warum auch nicht? Die jungen Spieler bekommen in der 2. Bundesliga, bzw auch 3. Liga ihre Spielpraxis und sind nicht nur Trainingsweltmeister. In den Vereinen, in welche sie verliehen werden, sind sie durchaus Stammspieler. Das beste Beispiel hatten wir ja selbst "ausgeliehen". Florian Kath. Eine Personalie, die zu diesem Zeitpunkt auch vom SC Freiburg verliehen war und eine gute Rolle in der Liga spielte, war Fabian Schleusener. Wobei er noch nicht wieder zurück im eigentlichen Freiburger Kader ist. In der letzten Saison spielte er beim SV Sandhausen, vorher beim Karlsruher SC und auch FSV Frankfurt. Nun wurde er "verkauft" und spielt seit dieser Saison beim 1.FC Nürnberg.

Als Florian Kath damals unser Trikot trug, war Fabian Schleusener in Diensten des FSV Frankfurt. Die Partie in Frankfurt war dann eine gute Möglichkeit wieder die Scouts nach Frankfurt zu schicken, um zu sehen, was der Nachwuchs so macht. Kath ging nach der Saison zurück nach Freiburg, Schleusener wurde wieder ausgeliehen. So ist das Fussballerleben.  Florian Kath hat nach einem guten Start in der Freiburger Mannschaft, wo er auch seine Einsatzminuten in der Bundesliga bekam, leider immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. So auch jetzt. Nach einer schwerwiegenden Verletzung ist er noch im Aufbautraining und wird nicht mit nach Magdeburg reisen. Aber er hat seine Mannschaftskollegen gewarnt. Magdeburg ist ein heisses Pflaster und die Stimmung ist halt einfach überwältigend.

"Ein Verein gehört nicht einem Menschen. Der Verein gehört den Menschen und Mitgliedern, die sich mit ihm identifizieren."

So- und nicht anders. Genau das sind wir. Und genau das ist auch der SC Freiburg. Freiburg im Breisgau, am untersten Zipfel Deutschlands gelegen, ist nicht nur eine wunderschöne Stadt. Sie ist irgendwie "urig". Nette Menschen und immer schönes Wetter. Fast immer. Aber auf jeden Fall scheint die Sonne dort um einiges mehr und länger, als in unseren Breitengraden. Das ist schon besser für das Gemüt.

Doch die Breisgauer haben in ihrem Verein auch einen alten/jungen bekannten Torhüter, der die Jugend des 1.FC Magdeburg durchlaufen hat und als U17-Spieler ins weit entfernte Freiburg zog. Torwart Bennet Schmidt. Zwischenzeitlich war er auch für die U18-Nationalmannschaft nominiert. Er hat in Freiburg die Schule beendet und ist zur neuen Saison in den Kader der Regionalligamannschaft, der 2. Mannschaft des SC Freiburg, aufgestiegen. Für ihn wäre es natürlich ein ganz großes Abenteuer, wenn er den Sprung in die 1. Herrenmannschaft schafft. Da drücken auch wir natürlich ganz fest die Daumen.

Unsere Fans werden während des Pokalspiels alles raushauen, was nur geht. Stimmlich und natürlich gesangstechnisch. Momentan kennen die Freiburger auch den Charme eines gefüllten Stadions. Eng an der Rasenkante sitzend und nah am Feld, ist das Breisgauer Stadion idyllisch gelegen. Viel Platz ist dort nicht. Angrenzend befindet sich ein Schwimmbad. Doch diese Idylle ist nur noch für einen kurzen Zeitraum zu geniessen. Auch der SC Freiburg baut sich ein neues Wohnzimmer. Mehr Zuschauer, mehr Technik ... mehr 08/15. Der alte Charme wird verloren gehen. Außer die Position des Trainers. Dieser Charme der Langlebigkeit im Traineramt ist nur noch in Freiburg vorzufinden.

"Unvorstellbar - ich habe höchsten Respekt vor Trainern, die da seit Jahrzehnten dabei sind."

Christian Streich begann seine Trainerlaufbahn in der Jugend des SC Freiburg. Am 01.07.1995 beendete er seine Spielerkarriere und begann in der Freiburger Jugend als Trainer zu arbeiten. Gleich ein jahr später übernahm er die U19 und betreute sie noch bis 2011. Vorher wurde er schon als Co-Trainer zu den 1.Herren geholt. Ganz übernommen hat er diese dann zur Saison 2011/2012 und besitzt einen Vertrag bis 2021. Christian Streich und der SC Freiburg ... das könnte eine Liason auf Lebenszeit werden. Und das gönnen wir ihm.

"Mit jedem Jahr, in dem du wieder nicht gewinnst, steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass du eher gewinnst."

Mit diesem Zitat möchten wir enden. Es regt zum Nachdenken an und egal was am Samstag kommt. Es ist alles eine Zugabe. Die Liga ist entscheidend.

Unser Ausblick auf die eventuelle Aufstellung (ohne Gewähr):

Ihr auf dem Platz - Wir auf den Räng`!

Sport Frei!

Anmerkung: Alle Zitate sind von Christian Streich / Trainer des SC Freiburg.