WIR SIND MAGDEBURG - WIR SIND MAGDEBURG - WIR SIND INTERNATIONAL ...

Wenn Clubfans eine Reise nach England antreten - ein kleiner Reisebericht inclusive Testspiel des 1.FC Magdeburg bei den Bolton Wanderers

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10.01.2018von Nicole OtrembaFußball
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Wenn die Gefühle Achterbahn fahren

Drama am Freitagnachmittag. Der WernesgrünerCup stand kurz vor dem Beginn, da rollte eine Lawine der Empörung durch die Halle und die Handys glühten. Das Trainingslager wurde kurzfristig abgesagt. Auch die Spieler wurden davon überrascht und knapp 1000 verrückte Fußballfans sind geschockt. Einige sind bereits per Flieger oder/und Bus unterwegs, da erreichte sie die Info. Was nun? Einige entschieden sich für die Heimat, doch es sollten nur wenige sein. Der Rest machte sich trotzig auf den Weg in das Mutterland des Fußballs.

Diskussionen machten dennoch die Runde und kurz vor dem Sieg des Clubs beim einzigen Hallenturnier dann die erlösende Nachricht: Der Club fliegt, halt etwas später. Das Testspiel findet statt. Vielen war es mittlerweile egal ... es gab in und um Manchester genug zu erkunden und durch den FA-Cup auch genug Spiele, die besucht werden konnten.

"God save the queen"

Auch für mich gab es keine Überlegung. Fussball und England. Das sind Erlebnisse, von denen man lange zehrt. Als überzeugte Groundhopperin war ich bereits öfter im Mutterland des Fußballs und konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als von Spiel zu Spiel zu fahren und dann immer wieder festzustellen "It`s phantastic, but ..."

So ging es also Samstagfrüh nach Berlin. Fast der komplette Flieger war mit Clubfans gefüllt, die das Bordpersonal ordentlich in Schach hielten. Die Stimmung war gut und jeder hatte neben dem Testspiel noch andere Spiele "gebucht". Der Flug war unkompliziert und die Sonne schien, als der Flieger die vielen Verrückten in Manchester ablud. England und Sonne? Eine seltene Kombination, aber die Sonne schien die kompletten drei Tage. Ein kleiner Willkommensgruß für die Größten der Welt.

Nach dem Flug trennte sich die Meute. Viele versuchten sich mit Bus und Bahn nach Bolton durchzuschlagen, andere blieben in Manchester, da am Samstag der FACup auch in Manchester Station machte und ein Spiel anbot. Meine kleine Reisegruppe und ich wagten uns mit einem Auto in den gefürchteten Linksverkehr. Ab nach Bolton. Das FACup Spiel der Bolton Wanderers gegen Huddersfield stand auf dem Reiseprogramm.

Fußball, Bier und Burger

Am Stadion angekommen erwarteten schon einige Clubfans ihre mitgereisten Kumpels. Sie alle besuchten die Partie. Huddersfield brachte ordentlich Gästefans mit, die auch etwas Stimmung machten. Etwas. Im Gegensatz zu unseren Auswärtsfahrten glich das eher einem Testspiel. Bolton konnte dennoch auch hier nicht gegenhalten. Stimmlich nicht, aber auch fussballerisch nicht. Das einige Magdeburger im Stadion waren erkannte man gleich beim ersten Ballkontakt vom Huddersfield Abwehrspieler Michael Hefele. Pfiffe ertönten im weiten Rund. Man hatte seine Aktionen damals im Dress von Dresden gegen uns nicht so einfach vergessen.

Ansonsten ist allein der Besuch in einem englischen Stadion im Vergleich zu Deutschland ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die schmalen Drehkreuze sind, im Gegensatz zu den Essgewohnheiten der Engländer, eher untypisch. Ist man erstmal drin, fallen sogleich die Schilder auf, dass Alkohol nichts im Innenraum zu suchen hat. Wohl dem der Tee und Schokolade mag. So tummelt sich fast das ganze Stadion in den heiligen Hallen des Stadions, um sich bei Bier, Burger und Pastete (verstehe einer was die Engländer daran finden) über Fußball auszutauschen. Erst kurz vor Anpfiff werden dann die Sitzplätze aufgesucht und dann wird ganz brav das Spiel verfolgt. Supporterblöcke gibt es auch. Sie stehen auch, aber einen "Anstimmer" findet man dort nicht. Zu sehr haben die Engländer in den letzten Jahren alles dafür getan, um die Sicherheit zu erhöhen. Die kompletten Stadien sind videoüberwacht und sollte man sich etwas zu Schulden kommen lassen (so wie zwei Huddersfieldanhänger die etwas blau ins Stadion brachten), so wird man nett aus dem Stadion begleitet und es droht ein jahrelanges Stadionverbot.

Das Spiel an sich war auf keinem guten Niveau. Auch andere Fans, die in Manchester weilten, sprachen zwar von einer schönen Partie, aber die Stimmung war zum Teil "enttäuschend". Andere waren in Wraxham und übergaben ein Präsent und erinnerten sich an die alten Europapokalzeiten 1979. Es war somit schon einiges los in England.

Der Tag an dem das Fleetwoodspiel stattfinden sollte

Der Sonntag musste dann andersweitig verplant werden. Man hatte allerdings die Qual der Wahl. Knapp 200 Anhänger fuhren zum Sechstligisten United of Manchester und supporteten dort ordentlich. United of Manchester gewann das Spiel mit 1:0 und war zudem fasziniert von unserem blau-weißen Anhang.

Andere erkundeten Museen in Manchester und/oder die Stadien von Manchester City oder United. Mein kleiner Trupp und auch andere fuhren ins etwas entfernte Nottingham, um den Traditionsverein Nottingham Forest gegen FC Arsenal zu sehen. Hier war nicht nur wegen des 4:2 Erfolgs von Forest die Stimmung viel besser, als beim Heimspiel der Wanderers. Burger und Bier schmeckten und der Tag endete für Viele, nach der Rückkehr, in einem Pub.

Einige versammelten sich auch im Vereinseigenem Hotel der Bolton Wanderers und sinnierten über alte Zeiten. Es wurde auch hier wieder spät und der junge Kellner des Bolton Whites Hotel wurde von Mal zu Mal freundlicher. Das Trinkgeld passte scheinbar.

Der Club betrat englischen Boden und alle Fans kamen zusammen

Dann wurde es Montag. Das Team startete um 3 Uhr aus Magdeburg, um von Hamburg nach Manchester zu reisen. Gegen Mittag kamen die Spieler und das Betreuerteam am Hotel an. Schon vorher machte sich ein kompletter Tross von ca 150 Fans auf den langen Weg, um zu Fuß von Bolton zum Stadion zu gelangen. Da waren sie fast 90 Minuten unterwegs. Der Rest folgte per Bus, Bahn, Auto oder mit Taxi.

Ab 14 Uhr gingen dann auch endlich die drei schmalen Eingänge auf, und der Run auf die Tickets begann. Die Vorfreude war allen im Gesicht abzulesen. Mit 10 Pfund bewaffnet schob sich alles nach vorne. Es gab Originaltickets mit unserem Vereinsnamen drauf. Diese Karten werden wohl eingerahmt werden. Es folgte der lange Gang über elendig viele Stufen nach ganz oben. Die Versorgungsstände hatten ihr Tun und die Vorfreude stieg.

Ein Traum wird wahr - Der 1.FC Magdeburg spielt auf englischem Boden

Bereits beim Warmmachen unseres Teams stimmten sich alle ein. Gute Laune im Block und es mischten sich sogar Anhänger von Bolton unter uns, die mit Anpfiff dachten, dass sie träumen. Völlig geflasht hüpften, sangen und tranken sie mit uns. Das Spiel auf dem Rasen war irgendwie Nebensache. Unsere Spieler hielten gegen die U23/Youngsters von Bolton sehr gut dagegen und die beiden Tore von Christian Beck und Christopher Handke wurde kurz bejubelt. Doch der Support hallte und schepperte durch die sonst leere Arena und es wurde gebrüllt, als wenn es kein Morgen gäbe.

Mit einem 2:0 ging es in die Halbzeit. Diese 15 Minuten wurde allerdings durchgesungen. Andere besorgten das Bier und die wartende Meute sang einfach weiter. Die wenigen Anwesenden in den anderen Teilen des Stadions hatten so etwas noch nicht erlebt und so wurden die Handys unaufhörlich in die Höhe gestreckt. Unsere eingeschleusten Boltonanhänger tranken und sangen (wenn auch falsch) weiter und griensten wie ein Mondgesicht.

Bei Wiederanpfiff wurde kurz sondiert, wer nun auf dem Platz stand und wie nun taktisch weitergespielt wird. Julius Düker nahm die Vorlage von Michel Niemeyer dankend an und erhöhte sogar zum 3:0. Die Stimmung war weiterhin bestens im Fanblock und es wurden alte Lieder angestimmt. Dann wurde es kurzzeitig ruhiger, scheinbar begannen die Vorbereitungen für die Pyroshow und da stimmte aus einer hinteren Ecke eine kleine Truppe ein Lied an, welches zum Highlight des Spiels wurde.

"Wir sind Magdeburg, wir sind Magdeburg. Wir sind international. Nur der Glinker, nur der Glinker, fährt mit Heiko Autobahn"

Der Text hallte und der Gesang wurde wie ein Lauffeuer durch den Block getragen. Es wurde lauter und lauter. Das Bolton zwei Tore schoß und das Spiel letztendlich mit 3:2 gewonnen wurde, konnte durch den Pyronebel nur noch erahnt werden. Es war einfach egal. Die Mannschaft kam, es wurde gesungen, es wurde gefeiert und jeder ging mit einem fetten Griensen nach knapp 2 Stunden die vielen Treppenstufen wieder hinunter.

Die Stimme wurde anschließend an der Hoteleigenen Bar oder in einem Pub wieder geölt. Der nette junge Mann/Kellner von den letzten zwei Tagen war noch netter und wird den Mob bestimmt vermissen. Das Team ging frühzeitig ins Bett. Die Fans machten sich (zum Teil) einen schönen letzten Abend, verabschiedeten sich und schafften etwas, was es im Hotel noch nicht gegeben hatte. Eine Sorte Bier war am späten Abend "ausverkauft".

Die Heimreise

Auch für meine kleine Reisegruppe und mich ging der Kurztrip am Dienstag zu Ende. Mit dem Auto zur Rushhour durch Manchester zum Flughafen zu fahren, brachte mir nicht nur Schulterklopfer ein, sondern warf immer wieder die Frage auf "Wer fährt hier eigentlich falsch? Wir oder die Engländer?". Ansonsten musste auch ich immer wieder gekniffen werden und stellte meinen Kumpels ständig die gleiche Frage "Sind wir wirklich in Manchester?". Leichtes Augenrollen mit einem fettem Grinsen folgte. Ich konnte es immer noch nicht greifen. Es war einfach Wahnsinn. 

Der Flieger war wieder in blau-weißer Hand. Doch es war ruhiger. Viele schliefen und träumten bestimmt von besseren Zeiten und einer Wiederholung.

Wir wünsches es uns auch. Es war einfach MEGA und ich persönlich war nicht das letzte Mal auf der Insel. Der nächste Trip ist bereits gebucht. Ohne den 1.FC Magdeburg, aber wieder mit viel Fussball.

In diesem Sinne!

See you!