Wir verneigen uns und sagen DANKE für ALLES, Trainer!!!

Gedanken zur Trainerentlassung von Jens Härtel und Ronny Thielemann am 12.11.2018 - eine Zeitreise

Wir verneigen uns und sagen DANKE für ALLES, Trainer!!!

13.11.2018von Nicole OtrembaFußball
Wir verneigen uns und sagen DANKE für ALLES, Trainer!!!

Ich habe gehofft, dass diese Nachricht nicht kommt. Doch heute Abend um kurz vor halb acht war es soweit. Das Handy blinkte und die alles entscheidende Mail lag im Eingang meines EMail-Postfachs. Ich überflog die Zeilen ... der Trainer und Co-Trainer sind ab sofort von ihren Aufgaben freigestellt. Puhhh ... das saß. Nun musste ich mich erstmal setzen. Eine Ära geht zu Ende. Ein Trainer, einer der Besten den der Verein in den letzten Jahren hatte, muss gehen.

Unverständnis. Aber einer wusste dies schon gestern. Der Trainer selbst. Der Gang nach dem Abpfiff zu Block U, die laut "Jens Härtel" skandierten. Er ging hin ... klatschte in die Menge und winkte. Es war ein Abschiedswinken. Er drehte sich weg und sein nächster Gang ging zu seinem Co-Trainer Ronny Thielemann. Ein freundschaftliches und wissendes Umarmen folgte und dann der schnelle Gang in die Katakomben. Weg war er ... schnell war er weg. Weg aus seinem Wohnzimmer, welches für knapp 4 1/2 Jahre auch sein zweites Zuhause war. Der Gang in die Unwissenheit und doch wusste er es ganz klar. Es war sein letzter Gang. Sein Co-Trainer folgte ihm. Die Gesichter eingefroren. Traurig schauten die Augen in die Menge.

Die Pressekonferenz ließ lange auf sich warten. Dann kam er. Unser Trainer. Mit gesenktem Kopf lauschte er seinem Trainerkollegen aus Regensburg. Doch sein Blick war leer. Der Kaffeebecher wurde in der Hand gedreht und nach seinen Worten zum Spiel, dann der Blick in den Raum. Keine Fragen von den Pressevertretern. Sie wollten alles exclusiv. Damit sie DIE Schlagzeile haben. Ein Fakt, den auch der Trainer schon (zu Recht) sehr oft bemängelte. 

Willkommen im Profifussball.

Kein Erfolg. Trainerentlassung. Egal was vorher war. Wir dachten, wir sind immer etwas Besonderes. Wir wissen, wir sind die Größten der Welt und verhalten uns doch wie jeder andere "Profiverein". Es gab keine "Härtel-Raus"-Rufe. Es gab Bekenntnisse zum Trainer. Trotz Erfolglosigkeit. Trotz 9 Punkten aus 13 Spielen. Es gab Sprechchöre. Es gab Banner. Keiner hat bisher von den Tribünen den Trainer in Frage gestellt. Die Einzigen, die diese "Baustelle" aufgemacht haben, verdienen mit Sensationspolemik ihr Geld. Traurig. Einfach traurig. Köpfe rollen, weil Zeilen etwas schreiben, was Leute hören wollen, die nicht im Stadion sind und den Verein seit Jahren begleiten. Egal wohin. 

Wir möchten nicht Absprechen, dass es dem Verein weiterhin nur gut geht, wenn die Millionen der Fernsehgelder auch weiterhin fleissig sprudeln. Das Geld sitzt nicht so locker bei den Wirtschaftspartnern und Sponsoren. Magdeburg. Die Stadt im Niemandsland. "Wo liegt das?" fragen Spieler, die ein Angebot vorgelegt bekommen. 

Danke, Jens ... Herr Härtel! Danke, Ronny!

Ihr habt uns die letzten 4 1/2 Jahre begleitet. Wir haben tolle Zeiten erlebt. Ihr habt euch ein Denkmal gesetzt. Ihr habt den Verein übernommen, als wir dachten, dass wir bereits schon mit Andreas Petersen richtig nach oben gekommen sind. Ihr habt aus der Truppe noch mehr gemacht. Die neue Art des Trainings und des Spielaufbaus mussten einige Spieler erst lernen, oder sie gingen. Nach einer Durststrecke, die bereits kurz nach der Übernahme, an euch zweifeln ließen, konntet ihr schnell im Keime ersticken. Die Erfolgswelle rollte über uns. Dank euch. Ihr habt akribisch gearbeitet, eure Familien haben zurückgesteckt und euch den Rücken freigehalten. Für euren 1.FC Magdeburg. Für eure Mannschaft. Nächte der Überlegungen sind ins Land gegangen. Der Aufstieg in die 3.Liga war bereits die Erfüllung eines Traumes der Generation Amateurfussball. Der weitere Aufstieg in die 2. Liga war das Sahnehäubchen mit Extra-Topping und doch war es euer "Stolperstein". Ihr wusstet das. Ihr seid schon immer realistisch gewesen. Die Verträge wurden kurz geschlossen. Nicht über Jahre. So seid ihr. Bodenständig geht ihr durchs Leben. Keine Höhenflüge und Spinnereien. Ihr wolltet auch jetzt mehr aus den Jungs rausholen. 

Danke, Jens! Danke, Ronny!

Die Gefühle, die gestern über uns kamen, können wir gar nicht beschreiben. Im Stadion ein Auf und Ab der Gefühle. Die Stimmung komisch gespenstisch. Die Mannschaft nach dem Ausgleich völlig von der Rolle und mit Blei an den Füßen auf dem Rasen. Der Presseraum still. Alle gingen ihren Gedanken nach und warteten. Warteten auf den Trainer. 

Die Gedanken kreisten und dann hatte ich DAS Bild vor Augen. DAS Bild nach dem Aufstieg in Offenbach. Wir haben uns auf einem Parkplatz getroffen, da unser Bus den Getränkenachschub hatte. Für die Mannschaft. Dann standet ihr da. Lachend. Erleichternd. Mit einer Zigarre in der Hand und dann entstand das Bild. Umarmend lächelte ihr mit der Zigarre im Mund in die Kamera. In meine Handykamera. Ein toller Moment. Auch für mich. Unvergesslich für ALLE. 

Was kommt?

Ist mir momentan so ziemlich egal. Derjenige der folgt wird es schwer haben. Die Fans haben sich klar bekannt. Pro Härtel. Doch erhört werden sie nicht. Profifussball halt. 

Für den 1.FC Magdeburg wird es nach den zwei freien Tagen wieder weitergehen. Zurück zum Geschäft. Ob mit neuem Trainer oder Interimstrainer. Für euch, unsere Trainer, geht es in eine ungewisse Zukunft. Obwohl ... wir glauben fest an euch und ihr werdet euren Weg machen. Das wünschen wir euch. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Das hoffen wir! 

Danke für die gemeinsame Zeit! Danke für die erfolgreiche Zeit! Danke für die immer ehrlichen Worte! Danke für die schönen Emotionen auf, neben und vor der Trainerbank! Danke! Danke! Danke!

Wir verneigen uns!

Auf ein Wiedersehen!