Zurück zu den Grundtugenden - Kampf, Einsatz, Wille

Vorwort zum 12. Spieltag 2. Bundesliga der Saison 2018/2019: SV Darmstadt 98 gegen 1. FC Magdeburg

Zurück zu den Grundtugenden - Kampf, Einsatz, Wille

02.11.2018von Nicole OtrembaFußball
Zurück zu den Grundtugenden - Kampf, Einsatz, Wille

Nach 11 Spieltagen verfliegt bei vielen die Aufstiegseuphorie und die Angst kehrt ein, dass der Club den Anschluß verpassen könnte. Den Anschluss an das Mittelfeld, einen gesicherten Platz, um in der zweiten Liga zu verbleiben. Diese Liga, die man sich lange ersehnt hat und in der es irgendwie verdammt schwer ist zu bleiben. Lediglich 9 Punkte konnten wir uns bisher erspielen. Trotz einer langen Serie, wo zwar ein Unentschieden das nächste jagte, aber die Mannschaft unbesiegt blieb.

Nun folgte nach einer derben (und viel zu hohen Niederlage) in Heidenheim auch noch der Genickschlag in Überzahl gegen den ehemaligen Bundesligadino Hamburger SV. Zwei Niederlagen drücken die Stimmung, lässt die Presse aufhorchen und die ewigen Skeptiker wieder auf den Plan kommen. Der Trainer wird unausgesprochen und gedanklich von vielen in Frage gestellt. Doch liegt es wirklich am akribischen Trainer? Oder liegt es am "Spielermaterial" welches geholt wurde? Oder liegt es gar daran, dass man aus "wenig" das Maximum herausholen wollte und sich letztendlich vielleicht doch "verspekuliert" hat? Kann man aus gestandenen und guten Drittliga- und Viertligaspielern eine erfolgreiche Zweitligamannschaft formen? Geht das innerhalb von ein paar Wochen und Monaten?

Wer aufmerksam die zweite Liga beobachtet, der erkennt ein ganz anderes Spiel. Die Spieler sind nicht unbedingt besser, das System nicht unbedingt durchdachter. Alle sind cleverer. Foulspiele werden in der zweiten Liga nicht aktiv begangen, man "holt" sie clever heraus. Nicht jedes aktive Tackeling wird geahndet. Es ist die Art wie man fällt, wann man fällt und wo man fällt. Klingt banal? Ist aber gut durchdacht. Alle Profispieler wissen, wie sie sich vor Verletzungen selber schützen können, kennen Tricks den Gegner wahnsinnig zu machen und fallen plötzlich nach einem Windhauch in aussichtsreicher Position gut auf den Rasen. Freistoß - gute Position - Standard - Torchance. Das gleiche Foul würde in der Abwehr nicht passieren. Da ist man standhaft, steht sofort auf und rennt weiter. Was will ich damit sagen? Ganz einfach. Wir sind einfach noch nicht clever genug. Nein, wird sind nicht abgezockt genug für die 2.Liga.

Die Foulspiele von uns sind zu offensiv, zu durchschaubar. Christian Beck ist bestimmt innerhalb der Schiedsrichtergemeinde schon bekannt. Auffällig ist, dass wirkliche Foulspiele und Elfmeter von ihm einfach übergangen werden. Es wird nichts gepfiffen. Das Spiel läuft weiter. Das wissen auch die Gegner. Zermürbend für den Spieler, Haareraufend für die Anhänger. Des Weiteren fehlt das Fingerspitzengefühl, vielleicht doch einmal zu fallen und nicht dem aussichtsreichen Ball weiter nachzujagen und stolpernd auf den Beinen bleiben zu wollen. Fallen oder nicht fallen? Das ist hier die entscheidende Frage. Und diese Antwort ist elementar und Punktebringend. Die Gegner wissen das und haben es bereits im Blut. Sie holen die entscheidenden Freistöße und Elfmeter heraus, die Tore bringen. Beispiele gefällig? Drei Chancen, Drei Tore = Heidenheim. Ein Elfmeter = eine Chance = ein Tor = Pokal Darmstadt. Zwei Chancen = Zwei Tore = Dresden. Eine Chance = Ein Tor = Ingolstadt. Viele Chancen = wenig Tore = Magdeburg.

Der Trainer lässt Standards trainieren. Doch dies hilft wenig, wenn wir diese Freistöße nicht clever herausholen. Ist der Fussball ein reines taktisches Gezocke? Ganz klares: JA! Wer abgezockt spielt, der gewinnt. Nicht der Bessere oder der mit den Chancen. Es ist der Abgezocktere.

Eine persönliche Randnotiz an dem sich die Geister wahrscheinlich scheiden:

Beim Zuschauen der jetzigen DFB Pokalspielrunde erwähnte der Moderator der Partie vom SV Darmstadt 98 gegen Hertha BSC im Nebensatz, dass ein Spieler der Darmstädter Mannschaft noch nicht in der zweiten Liga angekommen ist, da die Spielweise für ihn zu ruppig ist. Ganz ehrlich? Dann will ich den 1.FC Magdeburg nicht in der 1. Liga sehen. Noch ehrlicher? Persönlich mag ich die 2. Liga überhaupt nicht. Das Spiel gleicht einem Schauspiel. Wer fällt am Schönsten und wird vom Schiedsrichter gesehen. Die Grundtugenden wie Kampf, Einsatz und Wille haben nichts mehr mit einem dreckigen Spiel zu tun, wo die Gegner sich im Dreck suhlen, der Zeugwart Stunden am Trikot schrubbt um den Dreck herauszubekommen und wo sich die Spieler noch "Nettigkeiten" an den Kopf werfen. Sobald sich momentan einer dem anderen nähert, ist der angegangene Spieler schneller auf dem Rasen wälzend zu finden, als wir bis DREI zählen können.

Wir haben uns den 1.FC Magdeburg im Profifussball gewünscht. Ich gehöre zur Generation Amateurfussball. Lange Jahre habe ich mir diese 2.Liga gewünscht und nun sind wir da ... und haben es uns doch ganz anders vorgestellt. Klar, wir wollen nicht zurück. Ich will nur den Fussball zurück. Den ehrlichen, dreckigen Fussball. Den Fussball, der nach Bier und Bratwurst schmeckt und nicht nach Canapes und Champagner. Ich will Hände klatschen hören und keine Klatschpappen. Ich will dass die Spieler sich mal anbrüllen auf dem Platz und nicht gleich dafür von Platz gestellt werden. Ich will Emotionen pur auf den Rängen und keine hochgestreckten Handys mit funkelnden Strasssteinchen. Ich will heiser nach Hause kommen und nicht in endlose Diskussionen verwickelt werden. Ich will Fussball leben und kein Fussballevent erleben. Ich will den ehrlichen Fussball. Mit Bier und Bratwurst für bezahlbares Geld. Spieler sollen auf unbequemen Auswechselbänken sitzen und nicht auf gepolstersten Sitzen mit Sitzheizung. Da bleibt mir allerdings wohl doch nur die untere Liga.

Nun steht dem 1.FC Magdeburg die lange Auswärtsfahrt nach Darmstadt bevor. Alle Spieler im Bus wollen den Bock umstossen. Sie werden alles geben. Wollen den Sieg einfahren. Aber können sie auch abgezockt genug sein?

Wir werden es sehen. Ich stehe zu meinem Club. Egal in welcher Liga. Ich stehe auch hinter dem Trainer. Er ist das Beste was uns in den letzten Jahren passiert ist. Lasst uns zusammenhalten. Ganz einfach.

"EINMAL - IMMER"